DDR-Schwulenaktivist und LSVD-Vorstand Martin Pfarr ist tot

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) trauert um Martin Pfarr. Das langjährige Vorstandsmitglied des LSVD ist gestern im Alter von 59 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Der gebürtige Magdeburger engagierte sich bereits in der DDR für die Rechte von Lesben und Schwulen. Schon in den 1980er-Jahren, als Homosexualität im SED-Staat offiziell weitgehend tabuisiert war, wurde Pfarr politisch aktiv. „Man kann schon sagen, dass wir um unsere Jugend betrogen worden sind, weil wir uns in der DDR nicht ausleben konnten“ erinnerte er sich im Jahr 2011 in einem Interview in der „Magdeburger Volksstimme“.

Im Jahr 1990 gehörte er zu den Mitbegründern des „Schwulenverbandes in der DDR“, aus dem sich nach der Deutschen Einheit der LSVD entwickelte. Im Jahr 2006 wurde Martin Pfarr erstmals in den LSVD-Bundesvorstand gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehörte.

Besonders engagierte sich Martin Pfarr in Sachsen-Anhalt: Dort gründete er den Landesverband des LSVD, und gab dem Verband eine gewichtige Stimme in der Zivilgesellschaft und der Landespolitik. Zu seinen Leistungen zählten die Verabschiedung eines Landesgesetzes gegen Diskriminierung sowie der erfolgreiche Kampf gegen die öffentliche Förderung eines obskuren „Homo-Heiler“-Vereins, der von einigen CDU-Landespolitikern unterstützt wurde. Seinen größten politischen Erfolg erreichte er wohl im Jänner 2015, als der Landtag von Sachsen-Anhalt einstimmig für einen Aktionsplan gegen Homophobie stimmte.

All seine Ämter in der LGBT-Bewegung übte Pfarr, der hauptberuflich Arzt in seinem Wohnort Köthen war, ehrenamtlich aus. Die LGBT-Community verliert mit Martin Pfarr einen „Kämpfer, der auch vor übermächtig erscheinenden Gegnern nie klein bei gegeben hat“, wie der LSVD in seinem Nachruf betont: „Sich einbringen in der Demokratie, der Kampf für gleiche Rechte und klare Kante gegen Homophobie waren seine Antriebsfedern. Daneben prägte Martin Pfarr auch die Positionen des LSVD in der Gesundheitspolitik für LSBTI oder in der intergenerativen Arbeit. Ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus war ihm ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Er setzte sich auch dafür ein, dass die Geschichte der Lesben und Schwulen in der DDR nicht in Vergessenheit gerät, insbesondere nicht der unerschrockene Einsatz für die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen, der mit Namen wie Eduard Stapel und eben Martin Pfarr verbunden ist.“, gedenkt der LSVD eines seiner Gründungsmitgliedern.