Miami: World OutGames wenige Stunden vor der Eröffnung abgesagt

Nun machen sich die Athletinnen und Athleten ihre Sportveranstaltung einfach selbst

World OutGames 2017
World OutGames 2017

Es hätte ein Sportfest der sexuellen Vielfalt werden sollen, mit Wettkämpfen in mehr als 20 Sportarten – stattdessen wurde es für hunderte Athleten zum Desaster: Nur wenige Stunden vor ihrem Beginn wurden die World OutGames in Miami praktisch abgesagt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die lokalen Veranstalter.

Veranstaltung musste aus finanziellen Gründen abgesagt werden – nun ermittelt die Staatsanwaltschaft

Am Freitag hätten die OutGames in Miami mit einer Eröffnungszeremonie starten sollen. Doch wenige Stunden zuvor gaben die Veranstalter auf Facebook „mit tiefem Bedauern“ bekannt, dass man aus finanziellen Gründen die Eröffnungs- und die Schlusszeremonie am 4. Juni sowie sämtliche Sportbewerbe absagen müsse. Nur Turniere im Wassersport, Fußball und Country-Western-Tanz sowie ein kulturelles Rahmenprogramm und eine Menschenrechts-Konferenz könnten stattfinden.

Wie der „Miami Herald“ berichtet, hat auch die Stadt Miami erst am Freitag von der Absage der WorldOutGames erfahren. Die Stadt hatte das Event mit mehreren hunderttausend Dollar unterstützt. Außerdem sei für viele Sportstätten bis dato keine Benützungsgebühr bezahlt worden. Mittlerweile hat die Stadt bekanntgegeben, das Miami Beach Police Department und die Staatsanwaltschaft hätten Untersuchungen gegen die lokalen Veranstalter eingeleitet – es geht um den Verdacht der Veruntreuung von Geldern und des Betrugs.

Absage ist „der absolute Tiefpunkt in der Geschichte der LGBT-Sportveranstaltungen“

„Die Last-Minute-Absage der OutGames ist wohl der absolute Tiefpunkt in der Geschichte der LGBT-Sportveranstaltungen”, fasst Cid Zeigler, Betreiber des Blogs OutSport, das Drama um die Sportveranstaltung in Miami zusammen.

Dabei war es offenbar ein tragisches Ende mit Anlauf: „Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Monaten permanent versucht, den Organisatoren zu helfen – bei der Planung, bei Genehmigungen, bei Spendenakquise, bei der Verlegung von Veranstaltungen in günstigere oder kostenlose Locations, bei der Vermittlung von örtlichen Partnerschaften, bei finanzieller Unterstützung und Polizeikosten. Ganz zu schweigen davon, dass die Stadt als Hauptsponsor Geld zur Verfügung gestellt hat”, erklärte Melissa Berthier, Sprecherin der Stadt Miami, in einer Stellungnahme.

Teilnehmer sind fassungslos – Aktivisten organisieren ein Ersatzprogramm

Auf der Strecke bleiben die rund 2.000 registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie waren aus aller Welt nach Miami angereist, um die World OutGames zu feiern. Stattdessen wurden sie ratlos zurückgelassen. „Ich habe tausende von Dollars investiert, um nach Miami zu kommen und an den OutGames teilzunehmen (ich komme aus Neuseeland), also stellt euch mal vor, wie ich mich angesichts des Fiaskos fühle. Zum Glück haben wir noch die Gay Games in Paris, auf die wir uns freuen können. Aber alle, die an Miami beteiligt waren, sollten sich was schämen. Mein Vertrauen in die GLISA hat den Tiefpunkt erreicht. Wetten, dass ich meine Teilnahmegebühr nie wiedersehe!?!“, ärgerte sich beispielsweise Don Barclay von der New Zealand AIDS Foundation auf Facebook.

Die Community organisiert sich unterdessen selbst: Gemeinsam mit der Stadt veranstaltet die Miami Dade Gay & Lesbian Chamber of Commerce (MDGLCC) nun ein Notprogramm für die angereisten Athletinnen und Athleten. „Unsere Community hat alles darangesetzt, dafür zu sorgen, dass die World OutGames, wenn nicht in der angekündigten Weise wenigstens in annähernd ähnlicher Form stattfinden können”, erklärt Steve Adkins, Vorsitzender der MDGLCC.

So gibt es heute im Flamingo Park die Hockeymeisterschaft, auch das Volleyball- und Hallenbasketball-Turnier können – wenn auch in anderem Rahmen – stattfinden. Kultur- und Partyveranstaltungen sollen zu einem großen Teil wie geplant über die Bühne gehen. Außerdem lädt die Stadt Mittwochnacht alle registrierten OutGames-Teilnehmer zu einem kollektiven Naturerlebnis in den Botanischen Garten ein. Zusätzlich bieten die Szene-Gastronomen und Aktivisten aus Miami Alternativen an, von kostenlosen Saunabesuchen bis zu Freigetränken und spontanen Ersatz-Partys.

Ist der Flop das Ende der World OutGames?

Für die GLISA, die für die Vergabe der World OutGames verantwortlich ist, ist die kurzfristige Absage der Spiele in Miami eine Katastrophe: Die Organisation wurde als Abspaltung der Gay Games gegründet, erreichte aber nicht deren Popularität. Bis jetzt fanden World OutGames 2006 in Montréal, 2009 in Kopenhagen und 2013 in Antwerpen statt. Ob es sie nach diesem Debakel noch einmal geben wird, ist mehr als fraglich. Doch Katastrophen sind die Veranstalter gewohnt: Die ersten World OutGames in Montréal brachten 5,3 Millionen kanadische Dollar Verlust und führten zu einer Insolvenz.