Mehrheit der Besucher am CSD Berlin ist hetero

Lesben und Schwule sind bei der Parade in der deutschen Hauptstadt nur die zweitgrößte Gruppe

Regenbogenflagge
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Zu überraschenden Ergebnissen kommt eine professionelle Feldstudie, die von den Betreibern des Berliner CSD durchgeführt wurde. Demnach ist fast die Hälfte der Besucher hetero, nur etwas mehr als ein Drittel identifiziert sich als schwul oder lesbisch. Und insgesamt bringt die Veranstaltung der Wirtschaft gut 177 Millionen Euro.

36 Prozent Lesben und Schwule, 42 Prozent Heterosexuelle

Letztes Jahr hatte ein Meinungsforschungsinstitut 1000 Besucher des Berliner CSD befragt, die über 16 Jahre alt waren. Das überraschende Ergebnis: 42 Prozent der Teilnehmer definieren sich als heterosexuell, und nur 36 Prozent als homosexuell. Neun Prozent bezeichnen sich als bi- oder pansexuell, zwei Prozent als transsexuell, ein Prozent als queer. Zehn Prozent lehnten eine Einordnung ab.

In einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2010 waren nur 28 Prozent der Besucher heterosexuell. Die Autoren der aktuellen Studie sehen in dem hohen Anteil heterosexueller Teilnehmer am CSD Berlin eine „breitere Akzeptanz der Veranstaltung in der Gesellschaft“.

CSD Berlin zieht viele neue Besucher an – auch aus dem Ausland

Dafür spricht auch, dass 36 Prozent der Teilnehmer zum allerersten Mal beim CSD Berlin waren. „Das spricht dafür, dass der CSD nicht nur Menschen aktiviert, die schon oft daran teilgenommen haben (50 Prozent sind schon dreimal oder öfter beim CSD gewesen), sondern auch neue Besucher*innen anzieht“, vermutet die Studie, die durch Lotto-Mittel finanziert wurde.

Rund drei Viertel der Besucher kamen aus Berlin. 26 Prozent der Teilnehmer war wegen des CSD nach Berlin gereist – und davon 27 Prozent aus dem Ausland. Die Pride-Touristen bleiben dabei durchschnittlich fünf Tage in Berlin. Wer für seine Unterkunft zahlt, wohnt zu 47 Prozent in einer Unterkunft mit vier Sternen oder mehr. Insgesamt nehme die Hotellerie mit dem CSD 26,5 Millionen Euro ein, schätzen die Autoren.

Die Verteilung zwischen Männern und Frauen war recht ausgeglichen: Auf 52 Prozent männliche Besucher kommen 46 Prozent weibliche – zwei Prozent wollten sich keinem Geschlecht zuordnen.

Wirtschaftskraft des CSD Berlin beträgt 177 Millionen Euro

Das Durchschnittsalter der Berliner CSD-Teilnehmer liegt der Studie zufolge 2016 bei 35 Jahren, die größte Besuchergruppe war jene zwischen 22 und 30 Jahren. Mit 45 Prozent war fast jeder zweite Teilnehmer ein Angestellter, es folgten Menschen in der Ausbldung mit 25 Prozent.

Hauptgrund für die Studie war, die Wirtschaftskraft des CSD zu untersuchen, um so auch neue Sponsoren zu gewinnen. Und diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Knapp ein Drittel der Teilnehmer hat pro Monat mehr als 2.000 Euro zur Verfügung. Ein durchschnittlicher CSD-Tourist gibt der Studie zufolge 1.343 Euro für seinen Berlin-Trip aus – damit hat der CSD Berlin eine Wirtschaftskraft von insgesamt 177 Millionen Euro.