Nach 31 Jahren: Mord an schwulem Pensionisten vor Gericht

Damals 25-jähriger Escort erschlug den Mann und raubte seine Wohnung aus

Justitia
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Ein besonderer Mordprozess hat heute in München begonnen: Denn die Tat hatte sich bereits im Jänner 1986 ereignet: Ein Pensionist war damals offenbar von einem Stricher erschlagen worden, den er sich in seine Wohnung mitgenommen hatte. Dank der zentralen DNS-Datenbank konnte letzten Oktober ein dringend Tatverdächtiger in Wien verhaftet werden.

Die blutüberströmte Leiche des Pensionisten wurde halbnackt im Bett gefunden

Es war am 17. Jänner 1986, als ein Mitbewohner die Leiche des 80-jährigen Franz S. in dessen Wohnung im Münchner Stadtteil Au gefunden hatte – blutüberströmt und mit eingeschlagenem Schädel. Es stellte sich bald heraus, dass der verwitwete Pensionist Kontakt zu den Strichern am Hauptbahnhof hatte. Die Polizei vermutete, dass dort auch der Täter zu finden sei.

Wie weitere Ermittlungen ergaben, soll Franz S. am Nachmittag des Vortages den 25-jährigen Bozidar S. am Rosenheimer Platz angesprochen und dann mit in seine Wohnung genommen haben. Der junge und schlanke Serbe soll damals gegen Bezahlung und Verköstigung sexuelle Dienste angeboten haben.

Mit einem Aschenbecher und einer Parfumflasche erschlug Bozidar S. den 80-Jährigen

Der Pensionist stellte den Escort dann auch noch seinen beiden Mitbewohnern vor, die dann die Wohnung verließen. Danach sollte es zum verabredeten Sex kommen. Doch stattdessen soll Bozidar S. mit einem Aschenbecher und einer Parfumflasche auf Franz S. eingeschlagen haben, der wehrlos im Bett lag.

Der Staatsanwaltschaft zufolge ließ der Escort sein Opfer blutüberströmt liegen, riss das Telefonkabel heraus, damit Franz S. keine Hilfe rufen konnte, und durchwühlte die Wohnung nach Wertgegenständen. Gegen 1.45 Uhr erstickte der Rentner an seinem Blut. Die Polizei fand ihn später mit eingeschlagenem Schädel halbnackt im Bett.

Und obwohl man Fingerabdrücke und Blutspuren von Bozidar S. gefunden hatte, konnten die Beamten diese Spuren damals keiner Person zuordnen. Auch mehrfache Zeugenaufrufe, die Veröffentlichung eines Phantombildes und die Auslobung einer Belohnung in der Höhe von damals 5.000 Mark konnten daran nichts ändern.

Ein Abgleich mit den internationalen Datenbanken brachte Licht ins Dunkel

Der Fall verlief im Sand – bis zum Sommer 2016. Bei einer Überprüfung von Altfällen wurden die Fingerabdrücke nochmals mit einer internationalen Datenbank abgeglichen. Da landeten die Ermittler einen Treffer: In Slowenien waren die Daten von Bozidar S.  gespeichert, gegen den Mann wurde ein Europäischer Haftbefehl ausgestellt.

Im Oktober klickten für den mittlerweile 56-jährigen Serben in Wien die Handschellen: Denn obwohl gegen ihn ein Einreise- und Aufenthaltsverbot vorlag, hielt er sich in Österreich auf – was dazu führte, dass er von der Wiener Polizei festgenommen wurde. Diese informierte daraufhin ihre Kollegen in Bayern.

Im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens reisten Beamte der Münchner Mordkommission nach Wien. Gegenüber den Beamten soll Bozidar S. die Gewaltanwendung gegen den Pensionisten gestanden haben. Nun muss er sich vor dem Münchner Landgericht dafür verantworten. Das Gericht rechnet mit sieben Verhandlungstagen. Ein Urteil wird für Mitte Oktober erwartet. Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.