Keine Toleranz für Intolerante: CSD Berlin hat keinen Stand für die AfD-Jugend

Die AfD-Jugend inszeniert sich nun als Opfer - und grenzt dabei selbst einen Teil der Community aus

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Bei Rechtspopulisten hat die Toleranz des Berliner Christopher Street Day (CSD) offenbar ein Ende: Die Veranstalter untersagten der Jugendorganisation der „Alternative für Deutschland“ (AfD), mit einem Stand, einem Wagen oder als Gruppe am CSD teilzunehmen. Nun inszeniert sich die stramme AfD-Jugend als Opfer.

„Organisationen, die ein Klima der Angst schaffen, sind beim CSD nicht willkommen“

„Die Teilnehmenden am CSD Berlin stehen für ein Klima der Akzeptanz in unserer Gesellschaft – für eine Kultur, die Geflüchtete willkommen heißt. Menschen und Organisationen, die versuchen ein Klima der Angst und Ausgrenzung zu schaffen, wie es AfD, BERGIDA und NPD tun, sind beim CSD nicht willkommen“, heißt es in einer Stellungnahme der Organisatoren.

Damit bleibe ein entsprechender Beschluss aus dem Jahr 2016 weiter gültig. Außerdem habe die AfD erst gute zwei Wochen vor dem CSD am 28. Juli um einen Stand angesucht – und das sei viel zu spät: Alle Standplätze waren da bereits vergeben, betont eine Sprecherin des CSD-Organisationskomitees gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).

Die AfD inszeniert sich nach der Absage als Opfer – und „Schutzschild für Homosexuelle“

Für die AfD ist das Verbot ein willkommener Grund, sich wieder als Opfer zu inszenieren. „Sie, als Organisatoren, haben das Recht, für Schwule und Lesben zu sprechen, nicht exklusiv für sich gepachtet“, beschwert sich David Eckert, Berliner Landesvorsitzender der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative.

„Wer Toleranz predigt, muss sie auch selber leben“, poltert Eckert, der vor seiner Karriere in Berlin schon im AfD-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen aktiv war. Die AfD-Jugend sei ein „Bollwerk der Freiheit“ und „Schutzschild für Homosexuelle“, etwa vor radikalislamischer Einwanderung.

AfD-Funktionär beklagt Ausgrenzung – und grenzt dabei selbst einen Teil der Community aus

Eckert wirft den CSD-Organisatoren vor, den konservativen Flügel der schwul-lesbischen Community auszuschließen – und spottet über einige, die diesem Flügel nicht angehören: „Nicht jeder Schwule trägt Lack und Leder, wedelt mit einer Handtasche und lackiert sich die Nägel“, strapaziert der AfD-Jüngling einige Klischees.

Eine solche Spaltung lehnt der Berliner CSD ab: „Angeblich will die Junge Alternative Berlin die Interessen von Homosexuellen vertreten, in Wirklichkeit verbreitet sie aber Stereotype und hetzt Teile der Community gegeneinander auf“, heißt es gegenüber dem rbb.

Eine deutliche Antwort von den Organisatoren des Berliner CSD

„Für eine solche Art der Verhetzung gibt es auf dem CSD tatsächlich Null Toleranz“, heißt es gegenüber dem rbb weiter: „Ob jemand in Lack und Leder, mit Handtasche und lackierten Nägeln oder im Anzug oder Jeans und T-Shirt unterwegs ist, das sagt nichts über die politische Gesinnung und auch nichts darüber aus, welche Haltung eine Person zu ihrem Land hat.“

Der Berliner CSD steigt am 28. Juli zum bereits 40. Mal. Das Motto lautet dieses Jahr „Mein Körper, meine Identität, mein Leben“.