Kosovo: Der lange Weg zu gleichen Rechten für sexuelle Minderheiten

Fortschrittliche Gesetze, konservative Bevölkerung: So ist die Lage für LGBT im Kosovo

Symbolbild - Kosovo
Symbolbild - Adobe Stock

Letzte Woche hat in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, zum zweiten Mal eine Lesben- und Schwulenparade stattgefunden. Doch auch, wenn sexuelle Minderheiten unter großem Polizeischutz ohne Zwischenfälle durch die Straßen marschieren konnten: Ihr Alltag ist alles andere als rosig – auch wenn die Regierung versucht, Zeichen zu setzen.

Das Gesetz spricht sexuellen Minderheiten im Kosovo einige Rechte zu

Denn auch, wenn die Verfassung des Kosovo sehr liberal ist und auch sexuelle Minderheiten vor Diskriminierung schützt: Öffentlich sieht man Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans-Personen im Kosovo fast nie. Denn LGBT-Personen werden in fast allen Bereichen des Lebens diskriminiert. Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge ist der Kosovo sogar das homophobste Land am nicht gerade LGBT-freundlichen Balkan.

In seinem Forschrittsbericht lobte das EU-Parlament den Kosovo zwar 2016 dafür, „dass die Rechte von LGBTI-Personen auf höchster politischer Ebene unterstützt werden“: So ist die Diskiminierung sexueller Minderheiten nicht nur in der Verfassung verboten: Ein entsprechendes Gesetz ist sogar fortschrittlicher als die österreichischen Regelungen.

Die Regierung demonstriert gerne ihre LGBT-Freundlichkeit

So erstreckt sich der Schutz vor Diskriminierung auf den Arbeitsmarkt, den Warenverkehr, Dienstleistungen, soziale Sicherheit, Bildung und den Anspruch auf Wohnraum. Direkte und indirekte Diskriminierung durch Viktimisierung, Segregation und Bedrohung ist verboten.

Im Zuge einer Demonstration gegen Homophobie im Jahr 2014 erstrahlte sogar das Regierungshochhaus in Pristina in Regenbogenfarben. Die größeren Parteien unterstützen eine zivilrechtliche Gleichstellung Homosexueller.  Auch gibt es seit 2013 in der Regierung eine eigene Koordinierungsgruppe für die Rechte sexueller Minderheiten.

Doch die Gesetze und Taten der Politiker sind oft nur ein Zeichen guten Willens in Richtung Europäischer Union, praktisch werden sie fast nie angewendet. Denn die Parlamentarier kritisierten auch, dass „in LGBTI-Kreisen Angst nach wie vor weit verbreitet“ sei.

29 Prozent der Lesben und Schwulen im Kosovo haben schon am eigenen Leib Gewalt erlebt

Dazu passt auch eine Studie des in den USA beheimateten „National Democratic Institute for International Affairs“. Dabei haben 80 Prozent der befragten LGBT-Personen im Kosovo bestätigt, wegen ihrer sexuellen Orientierung schon einmal gemobbt worden zu sein. 29 Prozent der Befragten wurden deswegen auch schon Opfer körperlicher Gewalt. Nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation „Zentrum für soziale Emanzipation“ existierten mit Stand von 2007 im Kosovo keine eigenen Schwulenclubs.

Das größte Problem sexueller Minderheiten im Kosovo sei, „dass wir in so konservativen Familien leben, dass sie nicht einmal mitbekommen, dass ihre Kinder Teil dieser Community sind“, erklärte die 20-jährige Rina Krasniqi, eingehüllt in eine Regenbogenflagge, am Rand der Pristina Pride: „Sie unterstützen ihre Kinder nicht, und verwenden Schimpfworte für sie.“

Eine echte Änderung der Situation ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Und so muss die Community auch im jüngsten Staat Europas für ihre Akzeptanz weiterkämpfen.