Markus Ganserer: Erster Trans-Politiker Deutschlands outet sich

Der bayerische Grüne will sich nicht mehr verstecken, wenn er seine weibliche Seite lebt

Markus Ganserer
Bündnis 90/Die Grünen

Zum ersten Mal in Deutschland bestätigt ein Abgeordneter öffentlich, eine Trans-Person zu sein. Markus Ganserer, Abgeordneter der Grünen im bayerischen Landtag, hat sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung als transident geoutet.

Vor zehn Jahren probierte er ein Kleid seiner Frau, jetzt ist Ganserer zwei Mal pro Monat als Frau unterwegs

Der 41-Jährige aus Nürnberg wechselt zwischen den Geschlechtern und möchte sich nicht für eines entscheiden. Seine weibliche Identität lebt er derzeit etwa zwei Mal im Monat aus, wenn er sich mit anderen Trans-Personen trifft oder als Frau durch Nürnberg spaziert. Eine Geschlechtsangleichung strebt er nicht an.

Sein inneres Coming Out hatte Ganserer vor etwa zehn Jahren: Damals probierte er ein Sommerkleid seiner Frau, erinnerte er sich gegenüber der SZ. Doch öffentlich machen wollte er diese Seite seiner Identität nicht. „Ich führte ein Schattendasein, an dem ich beinahe zugrunde gegangen wäre“, erinnert er sich.

Seine Frau hat ihn auf seinem Weg unterstützt und bestärkt

Nach zwei Jahren vertraute er sich seiner Frau an, mit der er seit 18 Jahren zusammen ist und zwei kleine Söhne hat. Diese unterstützte ihn von Anfang an. Künftig will Ganserer seine weibliche Identität stärker ausleben, seine Tätigkeit als Politiker aber mit seiner männlichen Identität weiterführen.

Der Schritt, sich öffentlich als trans zu outen, war für den Politiker nicht einfach. „Mir graut vor dummen Kommentaren. Die Erleichterung, endlich offen leben zu können, ist aber größer“, so Ganserer zur SZ.

Künftig will sich Ganserer auch für die Rechte von Transpersonen einsetzen

Auch möchte er durch diesen Schritt ein politisches setzen. Denn es brauche für das Thema mehr Sichtbarkeit und eine breitere Akzeptanz. Vor allem Trans-Menschen würden unter der fehlenden gesellschaftlichen Toleranz leiden, so Ganserer. Deshalb will sich der Politiker, der Sprecher für Mobilität und Forstwirtschaft der Grünen im bayerischen Landtag ist, künftig auch diesem Thema widmen.

Die aktuelle rechtliche Lage in Deutschland kritisiert Ganserer scharf. Einerseits, weil das Bundesverfassungsgericht das Dritte Geschlecht nur Intersexuellen zugestanden hat, und andererseits, weil das Transsexuellengesetz für eine amtliche Namens- oder Geschlechtsanpassung zwei psychologische Gutachten verlange.