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Berlin: „Homo-Hölle“ als Partner für Tourismusmesse

Ist Malaysia ein geeignetes Partnerland für die ITB?

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

In Berlin ist die ITB, die größte Tourismusmesse der Welt, mit einem Eklat gestartet. Auf die Frage, ob es für Juden und Homosexuelle sicher sei, in das diesjährige Partnerland Malaysia zu reisen, reagierte dessen Tourismusminister Datuk Mohammaddin bin Ketapi merkbar verstimmt.

Beim Thema Homosexualität wird der Tourismusminister schmallippig

„Dazu sage ich nichts“, so der Minister, der zuvor minutenlang über die Schönheiten seines Landes geschwärmt hatte. Auf Nachfrage ergänzte er schmallippig: „Homosexualität? Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land. Ob es sicher ist oder nicht, kann ich nicht beantworten.“

Dabei wäre die Antwort einfach: Homosexualität ist in Malaysia strafbar. Erst im September wurde erstmals ein lesbisches Paar zu Stockschlägen verurteilt. Gegen die kleine Community in der Hauptstadt Kuala Lumpur gibt es immer wieder Razzien. Ist Malaysia also ein geeignetes Partnerland für die ITB?

„Wir sind Gastgeber und ein Gastgeber hört zu und nimmt zur Kenntnis“, erklärt Messe-Chef Christian Göke der Berliner Morgenpost. Die Messe biete eine Plattform, und der Austausch könnte dazu beitragen, die Kommunikation zu „verfachlichen“, so Göke.

Auch das Land Berlin ist als Messe-Gesellschafter in der Pflicht

Der Berliner Blogger und Autor Johannes Kram bezweifelt das. „Wir können doch nicht tatsächlich darüber diskutieren, ob Folter etwas ist, was wir in irgendeiner Art und Weise relativieren wollen“, so Kram, der mit seinem Nollendorfblog für den Grimme-Online-Award nominiert war, gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).

Bei der Auswahl eines Partnerlandes seien Menschenrechte nur ein Faktor unter vielen, heißt es seitens der Messe. Die mangelnde Positionierung der Messe-Gesellschaft könnte auch daran liegen, dass sich Malaysia den Status als ITB-Partnerland auch jede Menge Geld kosten lässt.

Hier kritisiert Kram auch die Berliner Stadtpolitik. Denn die Messe Berlin gehört zu 99,7 Prozent der Stadt, und die rot-rot-grüne Regierung hat eigentlich in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, die „Belange der LSBTTIQ*-Community national und international engagiert“ zu vertreten.

Die zuständige Senatorin ist über die Menschenrechtslage in Malaysia besorgt – gestoppt hat sie die Partnerschaft nicht

Dazu passt ein Land, in dem Homosexuellen drei Jahre Haft und Folter drohen, wahrlich nicht. „Wenn ausgerechnet die Regenbogenhauptstadt Berlin bei der ITB einer Homo-Hölle dabei hilft, sich international als Paradies zu inszenieren, wird dieser Anspruch zur Farce“, spricht Kram hier Klartext.

Konkrete Konsequenzen gibt es derzeit noch nicht Wirtschaftssenatorin Ramona Pop von den Grünen, die auch im Aufsichtsrat der Messe Berlin sitzt, lässt dem RBB über ihre Sprecherin zumindest mitteilen, sie sei „über die Menschenrechtslage in Malaysia besorgt“. Sie habe die Messe-Geschäftsführung aufgefordert, die Strategie zur Auswahl der Partnerländer zu ändern.

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