Kindesmissbrauch: Ehemaliger Finanzchef des Vatikans bleibt in Haft

Er selbst betont seine Unschuld - und kann noch vor dem Obersten Gericht Australiens gegen das Urteil berufen

George Pell
YouTube

Einer der ehemals mächtigsten Männer des Vatikans bleibt hinter Gittern: Der Oberste Gerichtshof in Melbourne hat am Mittwoch einen Berufungsantrag von George Pell, dem ehemaligen Finanzchefs des Vatikans, abgewiesen. Der 78-Jährige muss wegen des Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben im Gefängnis bleiben. Er selbst bestreitet alle Vorwürfe.

Das höchste Gericht des Bundesstaates bestätigte den Schuldspruch aus erster Instanz

Das Höchstgericht des Bundesstaates Victoria bestätigte damit die Verurteilung Pells in erster Instanz. „Er wird seine sechsjährige Haftstrafe weiter absitzen“, betonte Richterin Anne Ferguson. Der Kurienkardinal kann nach australischem Recht frühestens im Jahr 2022, nach der Hälfte der Strafe, aus dem Gefängnis entlassen werden.

In einer schriftlichen Stellungnahme ließ der Kardinal anschließend erklären, er sei „offensichtlich enttäuscht“. Zugleich bekräftigte er, dass er unschuldig sei. Pell wollte dieses Urteil wegen Verfahrensfehlern aufheben lassen. Die Richter bestätigten den Schuldspruch mit 2:1 Stimmen.

Pell stand wegen dem Missbrauch von zwei Chorknaben vor Gericht

Ein Geschworenengericht sah es im Dezember als erwiesen an, dass sich Pell Mitte der 1990er-Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei Chorknaben vergangen hat. Zu dieser Zeit war er dort Erzbischof. Im Jahr 1996 soll er sich in der Sakristei vor den Buben entblößt und sie unsittlich berührt haben, einen von ihnen soll er auch zum Oralsex gezwungen haben. Im Jahr darauf soll er sich erneut an einem der Chorknaben vergangen haben.

Die Verteidigung argumentierte, dass es dem Geistlichen schon wegen der Bischofsgewänder unmöglich gewesen wäre, die Jungen in so kurzer Zeit zu missbrauchen. Doch das beeindruckte die Geschworenen nicht. Der 78-jährige wurde im März zu sechs Jahren Haft verurteilt, seitdem ist er im Gefängnis.

Damit ist Pell der ranghöchste katholische Geistliche, der weltweit wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Denn vor seinem tiefen Fall war er einer der mächtigsten Männer im Vatikan – und ein Vertrauter von Papst Franziskus. Im Juni 2017 wurde er von seiner Funktion als Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats – das entspricht dem Finanzchef des Vatikans – beurlaubt.

Der Vatikan reagiert verhalten, betont aber Pells Unschuld

Dem entsprechen fällt der Kommentar des Vatikans verhalten aus. Man erkenne die Bestätigung des Urteils an und bekräftige seinen seinen „Respekt“ vor den australischen Justizsystem, heißt es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig erinnere man daran, dass Pell sich während des gesamten bisherigen Verfahrens für unschuldig erklärt habe. Auch habe der Kardinal weiterhin das Recht, beim Obersten Gericht Australiens in Berufung zu gehen.

Ein kirchenrechtliches Verfahren gegen George Pell sollte nach seiner Verurteilung in erster Instanz eingeleitet werden. Über dieses gab der Vatikan aber keine näheren Informationen. Vor weiteren Schritten dürfte der Vatikan das letztinstanzliche Urteil abwarten. Bereits seit seiner Beurlaubung ist Pell die öffentliche Ausübung seines priesterlichen Dienstes sowie jeglicher Kontakt mit Minderjährigen verboten.