Polen: Eigens angereiste Hooligans wollten Pride in Lublin stürmen

Tausend Polizisten schützten die Teilnehmer - auch mit Tränengas und Wasserwerfern

Regenbogenflagge
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In der ostpolnischen Stadt Lublin haben Hooligans am Samstag versucht, die rund 400 Teilnehmer der Pride-Parade zu attackieren. Die Polizei musste die Angreifer, die extra angereist waren, um die Parade zu stören, mit Tränengas und Wasserwerfern verscheuchen.

„Wir sind normal, ihr seid abartig“, rief der rechte Mob den Paradenteilnehmern zu

Bei den Gegnern der Parade in Lublin handelte es sich nach Informationen der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza größtenteils um eigens angereiste Fußballfans aus dem Südosten von Polen. Sie beschimpften die Teilnehmer der Parade mit homophoben Parolen wie „Wir sind normal, ihr seid abartig“ und bewarfen sie mit Flaschen und Eiern. Dabei wurden auch mehrere Journalisten verletzt.

Die etwa 1.000 eingesetzten Polizeibeamten mussten die Hooligans mit Tränengas und Wasserwerfern davon abhalten, die Parade zu stören. Es gab etwa 30 Festnahmen. Die Polizei kündigte an, weitere Hooligans durch die Auswertung von Videoaufnahmen ausfindig zu machen. Teilnehmer oder Beamte wurden offenbar keine verletzt.

Die Teilnehmer der Lublin Pride ließen sich von den Störversuchen nicht verunsichern

Bereits im Vorjahr war die Parade von Lublin attackiert worden, Nationalisten haben Rauchbomben und Feuerwerkskörper auf die Paraden-Teilnehmer geworfen. Auch damals musste die Polizei die Gegendemonstranten mit Wasserwerfern vertreiben.

Doch die rund 400 Teilnehmer der Parade ließen sich durch die Störversuche der Rechtsextremen nicht einschüchtern. Sie zogen mit Regenbogenflaggen und Plakaten mit Aufschriften wie „Jesus hat uns Liebe gelehrt“ und „Homophobie bedroht polnische Familien“ durch die Straßen von Lublin.

Bis zuletzt war unklar, ob die Pride in Lublin überhaupt stattfinden kann

Der Parade vorangegangen war ein zäher Kampf, ob die Lublin Pride überhaupt stattfinden dürfe: Der Lubliner Bürgermeister Krzysztof Żuk von der liberal-konservativen Bürgerplattform hatte die Parade zunächst verboten. Das Verbot hatte er mit Sicherheitsbedenken begründet. Erst am Anfang der letzten Woche hob ein Gericht dieses Verbot auf.

Die Rolle sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in Polen ist ein großes Wahlkampfthema für die Parlamentswahl am 13. Oktober: Kurz zuvor hatten sich die Region Lublin und andere Gebiete im Osten Polens als „LGBT-frei“ erklärt. Die nationalpopulistische Zeitschrift Gazeta Polska wollte Sticker mit dem gleichen Inhalt vertreiben, wurde aber durch eine Gerichtsentscheidung daran gehindert.

Die rechtspopulistische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) hatte zuletzt auch die Angriffe auf die Community verschärft und Stimmung gegen eine vermeintliche „LGBT-Ideologie“ gemacht – im Einklang mit der mächtigen römisch-katholischen Kirche und mit Unterstützung regierungsnaher Medien.