Polen: Pride-Angreifer von Breslau in Untersuchungshaft

Amtsbekannter Täter hatte noch fünf weitere Messer im Auto

Flagge von Polen
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Jener Mann, der am letzten Samstag in der polnischen Stadt Breslau die dortige Pride angegriffen hat, sitzt vorerst hinter Gittern. Ein Gericht hat am Dienstag eine dreimonatige Untersuchungshaft für den 41-jährigen Mirosław A. angeordnet.

41-jähriger Pole wollte die Veranstaltung mit zwei Messern stürmen

Er wurde von Polizeibeamten überwältigt, als er mit zwei Messern in Richtung der Pride-Teilnehmer rannte. Nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft den Angriff auf drei Polizeibeamte und Terrorismus vor – weil er zum Ziel gehabt habe, bei dem Pride „möglichst viele Menschen einzuschüchtern“.

Zu diesem Schluss kam die Behörde nach Untersuchungen von Wohnung und Computer des Tatverdächtigen. Am Montag soll er Medienberichten zufolge bei einem Verhör noch seine Unschuld beteuert haben. Vor Gericht gestand er dann die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Der Mann scheint ein verwirrter Einzeltäter zu sein

Der Staatsanwaltschaft zufolge habe Miroslaw A. zum Teil „unlogische“ und „unzutreffende“ Angaben gemacht. Man sehe deshalb einen Grund für eine psychologische Untersuchung des Verdächtigen. Gleichzeitig halten ihn die polnischen Behörden für gefährlich: Medienberichten zufolge soll er fünf weitere Messer in seinem Auto gehabt haben.

Dass der leicht betrunkene 41-Jährige bei seinem Angriff auch „Allahu Akbar“ gerufen habe, spielt für die Staatanwaltschaft hingegen keine Rolle. Der Pole hat nach bisherigen Informationen keine Verbindungen zum Islam. Für die Polizei waren die Rufe Teil eines „irrationalen Verhaltens“, wie sie bald nach dem versuchten Anschlag mitteilte.

Bereits am Sonntag hatte die Polizei bekanntgegeben, dass Miroslaw A. bereits durch andere Straftaten und Vergehen amtsbekannt sei. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Pride in Polen: Zeichen eines Kulturkampfes zwischen Nationalisten und Liberalen

Abgesehen von diesem Zwischenfall fand die elfte Pride in Breslau am Samstag ohne Zwischenfälle statt. Trotz Regens beteiligten sich tausende Teilnehmer an der Demonstration, die unter dem Motto „Liebe gegen Hass“ stand.

Insgesamt gab es in dieser Saison in ganz Polen in fast 40 Städten eigene Prides – ein neuer Rekord. Durch die Parlamentswahlen, die diesen Sonntag stattfinden, und die Propaganda der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) hat sich das Klima gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in Polen aber spürbar verschlechtert.