Ukraine: Präsident macht sich für sexuelle Minderheiten stark

"Lasst diese Leute um Gottes Willen in Frieden leben!"

Wolodymyr Selenskyj
Präsidentenbüro der Ukraine

Überraschend deutlich hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten eingesetzt: Bei einer zwölf Stunden dauernden Pressekonferenz wies er einen homophoben Zwischenrufer deutlich in seine Schranken.

Ein älterer Mann wollte aufgebracht gegen die „Perversion der Homosexualität“ auftreten

Selenskyj, der in der Ukraine als Komiker bekannt wurde, wollte mit dieser Rekor-Pressekonferenz einen Weltrekord aufstellen – was ihm auch gelang. Als Ort hatte er einen Food Court in der Hauptstadt Kiew ausgewählt. Insgesamt 300 Journalisten setzten sich abwechselnd zu dem Präsidenten an einen großen Tisch, um Fragen zu stellen.

Plötzlich unterbrach ein älterer Mann mit einem Kruzifix um den Hals die Veranstaltung. „Warum haben Sie den Bischöfen und uns allen nicht geantwortet, ob Sie das George-Soros-Programm des ‚Kommittees der 300‘ stoppen werden, das die Perversion von Homosexualität verbreitet?“, wollte der aufgebrachte Zwischenrufer wissen.

Der aus Ungarn stammende US-Milliardär und Philanthrop George Soros setzt sich weltweit für Bürgerrechte einsetzt und fördert entsprechende Initiativen. Von rechtsextremen Gruppen auf der ganzen Welt wird er allerdings als Kopf hinter einer ominösen Weltverschwörung gesehen. Eine dieser Verschwörungstheorien ist das „Komitee der 300“, das angeblich die Welt kontrollieren wolle.

Selenskyj wies die Verschwörungstheorien zurück und setzte sich für eine offene Gesellschaft ein

Selenskyj blieb ruhig, als er dem Zwischenrufer antwortete. Er erklärte dem Mann, dass er Soros nicht kenne und deshalb nichts dazu sagen könne. Bei der Antwort über die „Perversion von Homosexualität“ wurde der ukrainische Präsident aber deutlich.

„Was LGBTIQ angeht, so möchte ich nichts Negatives sagen, weil wir alle in einer offenen Gesellschaft leben, wo jeder von uns selbst wählen kann, welcher Sprache er sprechen will, zu welcher ethnischen Gruppe er gehören möchte und welche [sexuelle] Orientierung man hat. Lasst diese Leute um Gottes Willen in Frieden leben!“, so der 41-Jährige.

Westliche Medien wurden auf diese Antwort aufmerksam, nachdem der ostukrainische Journalist Maksym Eristavi ein Video des Vorfalls auf Twitter teilte und ihn später mit englischen Untertiteln unterlegte.

Selten äußern sich osteuropäische Spitzenpolitiker so wohlwollend über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten wie Wolodymyr Selenskyj auf dieser Pressekonferenz. Nicht nur in Russland sind Gesetze gegen „Homo-Propaganda“ in Kraft und die Staatsführung nutzt den Hass auf LGBT-Personen, um sich als Hüterin traditioneller Werte zu positionieren.