Mitten in Wien: Mann homophob beleidigt und geschlagen

Schauspieler am Auge verletzt - und keiner der Passanten hat ihm geholfen

Wien-Praterstern
Gryffindor/Wikimedia - gemeinfrei

Wie erst am Wochenende bekannt wurde, hat sich am letzten Mittwoch in Wien ein gewalttätiger schwulenfeindlicher Übergriff ereignet. Ein junger Schauspieler wurde dabei mitten in der Stadt von einem Unbekannten beleidigt und dann geschlagen. Das machte die Schauspielgruppe QuerAkt-Ensemble, die vom Opfer mitbegründet wurde, auf Facebook öffentlich.

Aus heiterem Himmel wurde der Mann am Praterstern von einem Unbekannten beleidigt

Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch gegen 22.30 Uhr am Praterstern, einem der am meisten frequentierten Bahnhöfe Wiens. Ein Unbekannter beschimpfte und beleidigte den 30-jährigen Robert E. zunächst in der Bahnhofshalle. Der Angesprochene versuchte, dem Mann keine Aufmerksamkeit zu schenken und ging weiter.

„Als ich merkte, dass er mir folgte, wollte ich in der nächstbesten S-Bahn Schutz suchen. Ich dachte für einen Moment, ich hätte ihn abgehängt“, erinnert sich Robert E. gegenüber GGG.at. Doch das war ein folgenschwerer Irrtum: Der Unbekannte folgte ihm in den Zug und schlug dem Schauspieler genau aufs linke Auge.

Der Mann konnte entkommen, alle Umstehenden sahen nur zu

Danach konnte der Mann unerkannt entkommen. „Der Vorfall wurde von mehreren Personen beobachtet, aber es gab keine Spur von Zivilcourage“, ist der 30-Jährige enttäuscht. Danach erstattete er bei der nächsten Polizeiwache Anzeige gegen Unbekannt.

Robert E. erlitt bei dem Angriff eine schmerzhafte Abschürfung der Hornhaut. Nun muss er jeden Tag ins Krankenhaus, um seinen Verband wechseln zu lassen, dazu bekommt er verschiedene Medikamente. Ob der Schauspieler Folgeschäden von dem Angriff davonträgt, ist noch unklar.

„Homophobie ist leider noch allgegenwärtig“

„Ein Fall wie der meine ist genau einer der Gründe, weshalb unsere Performance entstanden ist“, erklärt der QuerAkt-Mitbegründer: „Homophobie ist leider immer noch allgegenwärtig und ich habe das Gefühl, dass gerade wir als jüngere Generation wieder mehr Aufklärungsarbeit und Engagement zeigen müssen, um ein Klima des Vertrauens und der Sicherheit aufzubauen.“

Das QuerAkt-Ensemble wurde 2018 von vier engagierten Schauspielerinnen und Schauspielern gegründet, die zuvor gemeinsam auf der Schauspielakademie waren. Sie wollen als queere Künstlerinnen und Künstler auf Themen der Community eingehen.

Dabei haben sie sich zunächst für Live-Performances entschieden, seit einigen Monaten sind sie vermehrt online zu finden, da sie durch verschiedene Engagements oder andere Verpflichtungen oft nicht in derselben Stadt zu finden sind. Geplant sind verschiedene Videoformate und ein Instagram-Account.

Das Ensemble möchte schwierige Themen mit Humor ansprechen, weil sie denken, dass lachen verbindet – auch wenn ihnen das nach einem Vorfall wie letzten Mittwoch zunehmend schwer fällt.

Keine Statistik über Hassverbrechen gegenüber LGBT-Personen in Österreich

Wie oft sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in Österreich zum Opfer von Gewaltverbrechen werden, ist unbekannt. Das Innenministerium erhebt die Daten dieser Hassverbrechen nicht. Unter anderem SPÖ und Grüne haben das in der Vergangenheit immer wieder gefordert.

Auch gibt es in Österreich, anders als beispielsweise in vielen deutschen Städten, keine eigenen Beamten, die queere Opfer von Hassverbrechen gezielt betreuen. Einzige Ansprechstelle sind die GayCopsAustria, ein freiwilliger Zusammenschluss homo- und bisexueller Polizeibeamter.