Donnerstag, 30. November 2023
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„Homophobster Minister Israels“ an Corona erkrankt

Gesundheitsminister Yaakov Litzman hat die Empfehlungen seines eigenen Ministeriums missachtet

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Trotz eines Verbots seines eigenen Ministeriums ging der israelische Gesundheitsminister Yaakov Litzman in den Tempel beten. Nun hat er sich mit dem Corona-Virus infiziert. Der ultraorthodoxe 71-Jährige gilt als homophobster Minister In der Geschichte Israels.

Die Quarantäne des Gesundheitsministers trifft fast die gesamte Staatsspitze

Litzman und seine ebenfalls positiv getestete Frau Chava befinden sich derzeit in Isolation – und mit ihm müssen alle in Quarantäne gehen, die in den letzten Tagen mit ihm Kontakt hatten. Was bei einem hochrangigen Regierungsmitglied durchaus problematisch ist, auch wenn er betont, dass er seine Amtsgeschäfte von zu Hause weiterführt.

Denn nicht nur der nun dringend benötigte Generaldirektor des Gesundheitsministeriums muss nun in Quarantäne gehen, sondern auch Premierminister Benjamin Netanyahu, der Leiter des Nationalen Sicherheitsrats oder der Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, der in der Krise für die Versorgung mit Spitals- und Laborausrüstung sorgt.

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Dabei hätte die Infektion wahrscheinlich vermieden werden können: Litzman, der einer ultraorthodoxen Sekte angehört, wurde letzte Woche in der Synagoge gesehen. Und das, obwohl sein eigenes Ministerium den Besuch der Bethäuser wegen der hohen Ansteckungsgefahr verboten hatte. Sein Ministerium dementierte inzwischen, dass der Minister seine eigenen Regeln gebrochen hatte.

Angehörige sexueller Minderheiten sind für den 71-Jährigen pauschal „Sünder“

Der ultraorthodoxe Politiker gilt als homophobster Minister Israels: So stimmte er gegen die Öffnung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare und ein Verbot von „Konversionstherapien“. Ein Gesetz, mit dem Verbrechen gegen Transpersonen als Hassverbrechen eingestuft worden wäre, verschwand 2016 auf Druck Litzmans von der Tagesordnung. Angehörige sexueller Minderheiten hatte er pauschal „Sünder“.

In Israel ist der Zorn über Litzman groß. Am Freitag hagelte es Rücktrittsaufufe. „Was braucht es noch?“, ärgerte sich ein Twitter-User, und über tausend seiner Follower „gefällt das“. Zuletzt haben hochrangige Mediziner und Spitalsmanager in einem offenen Brief Litzmans Rücktritt als Gesundheitsminister gefordert.

Denn dieser trägt wesentlichen Anteil an der Verbreitung des Coronavirus in Israel: Er hat durchgesetzt, dass die Synagogen offen bleiben konnten und auch rituelle Waschungen im Gemeinschaftsbecken nicht verboten wurden. Nun sind rund die Hälfte der Corona-Patienten in den Krankenhäusern Ultraorthodoxe – während ihr Anteil an der Bevölkerung nur zwölf Prozent ausmacht.

Ins Bild passt da auch eine Anekdote, die derzeit die Runde macht: Vor zwei Wochen wurde vor der konstituierenden Sitzung des Parlaments bei allen Abgeordneten und Ministern die Temperatur gemessen – mit Ausnahme von Litzman. Er verweigerte den Test.