Black Lives Matter: Grindr entfernt Ethnien-Filter

Der Dating-Riese möchte künftig queere People of Color stärker unterstützen

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Bis jetzt konnten User der beliebten schwulen Dating-App Grindr entscheiden, ob ihnen beispielsweise keine schwarzen oder asiatischstämmigen User angezeigt werden. Doch nun hat Grindr angekündigt, dass User ab der nächsten Version der App ihre Dates nicht mehr nach ethnischer Zugehörigkeit filtern können. 

Eine ganze Ethnie von den Suchergebnissen auszuschließen, ist rassistisch

Dies geschehe aus Solidarität mit den Protesten gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten, heißt es in einer Stellungnahme. Zusätzlich will die Betreiberfirma an Bürgerrechtsorganisationen wie das Marsha-P.-Johnson-Institut und die Black-Lives-Matter-Bewegung spenden.

„Wir werden nicht schweigen und wir werden nicht untätig sein“ so Grindr in einem Tweet, in dem die App-Betreiber auch ihre User auffordern, die beiden Organisationen zu unterstützen. Man bekämpfe Rassismus auf Grindr „sowohl durch einen Dialog mit der Community als auch mit einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus und Hassrede auf unserer Plattform“.

Heuchelei oder ein lange gereifter Entschluss?

Grindr reagiert damit auf die schon länger andauernde Kritik, zu wenig gegen Rassismus auf der Dating-Plattform zu unternehmen. Als die App-Betreiber vor einigen Tagen auf Twitter zum ersten Mal ankündigten, die Black-Lives-Matter-Bewegung zu unterstützen, wurde ihnen Heuchelei vorgeworfen – eben wegen des Ethnien-Filters.

Bereits 2018 hat Grindr eine Kampagne gegen Rassismus gestartet. Wie Landen Zumwalt, der damalige Pressesprecher, dem Guardian dabei sagte, hatte man intern schon damals darüber diskutiert, den Ethnien-Filter zu entfernen – allerdings hatte man sich damals dagegen entschieden – unter anderem, weil Minderheiten den Filter auch dazu nutzten, leichter andere Mitglieder dieser Minderheiten zu treffen.

Dem entsprechend fielen auf Twitter auch die Kommentare zur Ankündigung gemischt aus. Einige User meinten, ein solcher „Rasse-Filter“ hätte nie existieren dürfen, andere meinten, dass sie sich durch die Abschaffung nun in der Auswahl ihrer sexuellen Vorlieben eingeschränkt sehen.

Grindr möchte queere People of Color nun stärker unterstützen

Zusätzlich kündigte Grindr auf Instagram an, sich stärker gegen Ungerechtigkeiten gegenüber People of Color (POC) zu engagieren. Das geplante „‚PridePreserves“-Programm anlässlich des Pride-Monats soll sich stärker auf die Unterstützung für queere farbige Menschen und die Black-Lives-Matter-Bewegung richten.

„Wie können wir einen Monat der Feierlichkeiten einleiten, wenn so viele von uns verletzt sind? Wie können wir unsere Pride feiern, ohne anzuerkennen, dass wir nicht einmal einen Monat des Stolzes hätten, wenn es die tapferen schwarzen, braunen, transsexuellen und schwulen Menschen nicht gegeben hätte, deren Aufstand gegen die Polizei in Stonewall die moderne LGBTQ+-Menschenrechtsbewegung ins Leben rief?“, schreibt Grindr in dem Posting.

Zuletzt war Grindr wegen seiner Datensicherheit in der Kritik

Auch abseits der aktuellen Kontroverse wird Grindr in den Vereinigten Staaten kritisch gesehen: Die Firma gehörte lange einer chinesischen Spielefirma, was die Behörden zu Warnungen veranlasste, dass die teils sehr sensiblen Daten der App direkt zu den chinesischen Geheimdiensten abwandern könnten.

Auf Druck der US-Regierung musste der ehemalige Inhaber Grindr verkaufen – neuer Besitzer ist eine US-Firma, hinter der aber ebenfalls chinesische Geschäftsleute stehen dürften.