Der Duden thematisiert zum ersten Mal geschlechtergerechte Sprache

Premiere für Tipps, wie man das Gendersternchen richtig nutzt

Kathrin Kunkel-Razum
Duden-Verlag

Er gilt als das wichtigste Nachschlagewerk der deutschen Sprache: Genau 1.296 Seiten ist der neue Duden dick, der diese Woche erscheint. Seit der letzten Neuauflage im Jahr 2017 sind etwa 3.000 neue Stichwörter dazu gekommen, viele davon im Zusammenhang mit der Coronakrise. Und erstmals widmet sich der gelbe Wälzer auch umfassend einer geschlechtergerechten Sprache. 

Mehr gendergerechte Begriffe im Wörterverzeichnis, drei Seiten Information zu ihrer Verwendung

So finden sich in der Wortliste der 28. Auflage erstmals Begriffe wie “genderneutral”, “Gendersternchen”, “transgender” oder “inklusiv”. Und auf drei Seiten finden sich außerdem ausführliche Hinweise zum gendergerchten Sprachgebrauch. Zum Beispiel, dass sich das Gendersternchen in der Sprachpraxis “immer mehr durchsetzt” – besonders dann, wenn Geschlecht nicht mehr nur als weiblich oder männlich verstanden werde. 

“Wir legen Wert darauf zu sagen, dass das keine Regel ist, die wir verordnen”, erklärt Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Verbindlichkeit der Duden-Schreibweisen wurde im Zuge der Rechtschreibreform ohnehin aufgehoben. Oberste Instanz ist nun der “Rat für deutsche Rechtschreibung”. 

Der Redaktionsleiterin ist dabei durchaus bewusst, dass der Abschnitt über gendergerechten Sprachgebrauch für Diskussionen sorgen wird – doch die Redaktion erhalte zu diesem Thema viele Anfragen und man habe sich bemüht, Probleme und Lösungsvarianten zu beschreiben. 

Es soll kein „Corona-Duden“ werden

Auch sonst hat sich die Duden-Redaktion bemüht, die sprachliche Gegenwart in dem Nachschlagewerk abzubilden. Das betrifft auch die Coronakrise: Neu hinzugekommen sind Begriffe wie “Covid-19”, “Reproduktionszahl”, “Intensivbett” und “Lockdown”. “Coronavirus” selbst war übrigens schon im Duden – vermutlich seit der Sars-Epidemie, vermutet Kunkel-Razum. 

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Als “Corona-Duden” möchte die Redaktionsleiterin die 28. Auflage aber trotzdem nicht verstanden wissen. Neu aufgenommen wurden auch Begriffe aus den Bereichen Klima, Umwelt oder Technik – wie “Flugscham”, “Elektroscooter”, “bienenfreundlich”, “Alltagsrassismus” oder “Zwinkersmiley”.

Etwa 300 Wörter wurden aus der aktuellen Ausgabe übrigens auch wieder gestrichen, etwa “Kabelnachricht” für eine “telegrafisch übermittelte Nachricht” oder “Hackenporsche” für den Einkaufsroller. Für den Duden-Verlag ist die Neuauflage des Rechtschreib-Klassikers auf jeden Fall eine sichere Investition: Von der letzten Auflage, die 2017 erschienen ist, verkauften sich 650.000 Exemplare.