ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck: Klare Worte zu schwule Fußballern

Die Profi-Fußballerin möchte einen Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen

Viktoria Schnaderbeck
Viktoria Schnaderbeck/Instagram

Vor wenigen Wochen hat ein britischer Premier-League-Fußballer für Schlagzeilen gesorgt: Er sei schwul, habe aber Angst, sich in der Öffentlichkeit zu outen. Die offen lesbische ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck hat das zu klaren Worten bewegt. 

Dass sich ein schwuler Kollege nicht traut, sich zu outen, bewegt Schnaderbeck zu einem wichtigen Statement

In einem offenen Brief, der unter anderem in den Boulevardzeitungen Daily Mirror und The Sun veröffentlicht wurde, schrieb er, dass er nicht glaube, “dass Fußball schon bereit dafür ist, dass sich ein Spieler outet”. Es bräuchte “radikale Veränderungen, dass ich mich für diesen Schritt bereit fühlen würde”, so der anonyme Kicker. 

Schnaderbeck, die derzeit bei Arsenal London spielt, haben diese Zeilen bewegt. Nun möchte sie “einen Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen”, wie sie in ihrem Blog schreibt. Sie hat sich im Dezember 2019 einer breiten Öffentlichkeit geoutet. Die gebürtige Grazerin postete damals auf Instagram ein Foto mit ihrer Partnerin

Das Foto, für das sie von vielen Teamkolleginnen und Personen des öffentlichen Lebens beglückwünscht wurde, zu veröffentlichen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. “Ich habe mich bereit gefühlt und wollte endlich den kleinen Lügen ein Ende setzen. Ich wollte uneingeschränkt und befreit leben und zu 100% ich selbst sein”, erinnert sich Viktoria Schnaderbeck. 

Leicht gefallen ist der Spitzen-Fußballerin dieser Schritt nicht: “Ich stehe in der Öffentlichkeit und habe eine gewisse Fanbase”, war sie sich bewusst: “Medien und Fans werden darauf reagieren – das war klar. Allerdings nicht, in welchem Ausmaß und in welcher Form.”  

Für ihr eigenes öffentliches Coming Out war eine gewisse Reife nötig, so Schnaderbeck

Schnaderbeck räumt aber auch ein, dass für diese Entscheidung eine gewisse Reife notwendig war. “Mit 20 Jahren hätte ich mir selbst eingeredet, dass es nur eine Phase sei. Ich hätte gelogen und vielen Menschen aus meinem Umfeld etwas vorgespielt”, gibt sie zu – und mit 25 Jahren hätte sie sich eingeredet, es würde reichen, wenn Familie und Freunde von ihrer sexuellen Orientierung wüssten. 

“Heute, mit 29 Jahren, rede ich mir nichts ein, sondern weiß, dass ich auf Frauen stehe. Heute weiß ich, dass sexuelle Orientierung überhaupt nicht wichtig ist. Dass es überhaupt keine Rolle spielt, welches Geschlecht ich liebe. Viel wichtiger ist, dass ich liebe”, so die ÖFB-Kapitänin: “Daher möchte ich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.” 

Im 21. Jahrhundert ist kein Platz mehr für Homophobie, Rassismus und Homophobie

Dass ihre sexuelle Orientierung heute ein offener Teil ihres Lebens ist, ist Schnaderbecks Beitrag “zu einer besseren, toleranteren und friedlicheren Welt”. Die Realität sei noch immer stark von Vorurteilen und Tabus geprägt: “Je mehr wir darüber sprechen, desto eher schaffen wir einen Rahmen, wo sich Leute nicht mehr schämen müssen.” 

Die ÖFB-Kapitänin ist sich klar: “Um als professioneller Fußballer oder professionelle Fußballerin unvoreingenommen, befreit und entfesselt über Homosexualität sprechen zu können, erfordert sehr viel Mut und nicht zuletzt Überwindung.” Doch im 21. Jahrhundert dürfe es “keinen Platz für Homophobie, Rassismus, Sexismus oder andere Formen der Diskriminierung” mehr geben, so Schnaderbeck.