„Greifbar“ macht dicht – Berliner Cruising-Bar als Lockdown-Opfer

Eine der letzten verbliebenen Gay-Bars in Prenzlauer Berg ist dicht

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

Die Gastro-Schließungen aufgrund der Corona-Epidemie haben in Berlin ein prominentes Opfer gefunden: Die „Greifbar“, eine der letzten schwulen Bars im Prenzlauer Berg, wird nicht mehr öffnen. Das hat der Wirt am Montag auf Facebook bekannt gegeben.

„Nach zweimal Lockdown habe ich mich entschlossen, etwas anderes zu machen“ 

„Ich bedanke mich bei allen Gästen und Freunden für die Unterstützung in den letzten Jahren, insbesondere aber für die Treue während der Corona-Zeit“, schreibt Betreiber Karsten Brodak auf dem Profil der Greifbar – seine Entscheidung scheint endgültig.

Damit verschwindet ein einmaliges Lokal des Berliner Nachtlebens von der Bildfläche: Kneipe, Cruising Bar – die Greifbar war irgendwo dazwischen und lebte von der Mischung ihrer Gäste. Sich selbst beschrieb das Lokal in der Wichertstraße als „traditionelle Gay-Bar für schwule Männer und deren Freunde im Bauarbeiter-Stil“.

Eine der letzten schwulen Kneipen in einem Kiez voll Latte-Macchiato-Müttern

Die Greifbar bestand aus einem Bar-Bereich, in dem Bildschirme mit Pornos die Gäste in Stimmung bringen sollten, und einem großzügig dimensionierten Darkroom. Hier trafen sich schwule Männer aller sozialen Schichten und Altersgruppen, um zu flirten, Sex zu haben oder einfach nur gemütlich ein Bier zu trinken.

Das Lokal war ein „Stück schwuler Emanzipation vom heterosexuellen Mainstream“ und „gelebte Sichtbarkeit“, wie das Berliner Stadtmagazin blu schreibt. Es war eine der letzten verbliebenen Schwulenbars in der Gegend, die im Laufe der Jahre gentrifiziert wurde wie keine andere in Deutschland. Dem entsprechend sind auch die ersten unbestätigten Gerüchte, was der Greifbar folgen soll: „Nach Corona“ soll dort eine Shisha-Bar eröffnen.