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Hass gegen Regenbogenparade: Postern droht Anzeige

„Ich fahr‘ mit dem Traktor durch und fertig“: So viel Hass gibt es auf die LGBTI-Community in Österreich

premiumPIX/Twitter

Diese Woche wurde bekannt, dass die Regenbogenparade heuer wieder stattfinden wird: Am 19. Juni wird es eine Corona-sichere Fuß- und Radparade über Kai und Ringstraße geben, die wie jedes Jahr für deutliche Sichtbarkeit der LGBTI-Community sorgen soll. Wie wichtig solche Veranstaltungen sind, zeigen einige Reaktionen auf die Nachricht, dass es wieder eine Parade geben wird.

„Spuck‘ auf diese Demo“ oder „Ekelhaft“ sind nur zwei der negativen Kommentare

So hat die Zeit im Bild, Österreichs größte Nachrichtensendung, die erfreuliche Meldung auf Twitter und Facebook gepostet. Neben zahlreichen positiven Kommentaren gab es aber auch jede Menge Postings, die eher in die Kategorie „Hass im Netz“ fallen, wie der Neos-LGBTIQ+-Sprecher Yannick Shetty auf Twitter nun eindrucksvoll aufzeigt.

„Frechheit, das sind ja keine normalen Leute, wo soll das noch hinführen? Ach ja, und ich möchte bitte als Herr Transformer angesprochen werden, weil ich identifiziere mich als Transformer“, heißt es unter dem Posting der Zeit im Bild, ein anderer User meint: „Sollen ihr Ding zuhause in Ruhe machen.“ Ein weiterer Kommentar lautet „Spuck auf diese Demo“, ein User schreibt: „Ekelhaft… Hoffe, in ein paar Jahrzehnten gibt’s das nicht mehr, damit die Menschheit endlich Fortschritte machen kann.“

Andere User träumen von Anschlägen auf die Regenbogenparade

Ein User kommentiert die Meldung von der Regebogenparade einfach nur mit „Haram“ – dem islamischen Begriff für Verbotenes oder Unreines, andere schreiben „Schmutz“ oder „Ekelhaft“. Doch auch unter Christen scheint die Parade als Hochamt der LGBTI-Community für Empörung zu sorgen, heißt es doch in einem Kommentar: „Hoffentlich kommt bald der Tag des Jüngsten Gerichts“.

„Neues Attentat, gar kein Bock“, offenbart ein User unter der Meldung seine Gewaltfantasien, und ein anderer schreibt: „Ich fahr‘ mit dem Traktor durch und fertig.“ Ein User, der sich offenbar über die Sicherheitsbestimmungen bei Corona-Demonstrationen ärgert, meint: „Leute dürfen nicht demonstrieren, aber diese Schwulendemos dürfen stattfinden? Geht’s noch?“, in einem weiteren Posting heißt es sogar: „Solche Demos müssen verboten werden.“

Shetty lässt prüfen, welche Kommentare strafbar sein können

Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien, macht deshalb klar: „Der Firnis der Toleranz ist leider dünn. Und genau deswegen ist die Regenbogenparade immer noch so eine wichtige Demonstration: Sie ist ein Zeichen des Lebens, der Vielfalt und der Kraft der LGBTIQ-Community. Sie stärkt besonders all jenen den Rücken, die solche Kommentare in ihren Familien, Freundeskreisen oder auch am Arbeitsplatz hören müssen und nicht offen leben können. Aber sie zeigt auch denen, die uns hassen: Ihr seid eine traurige, hasserfüllte kleine Gruppe am Rande der Gesellschaft“, sagt sie gegenüber GGG.at.

Für den Neos-Politiker sind die hasserfüllten Kommentare ein Grund zum Handeln: „Hetze ist mit Ausübung der Meinungsfreiheit nicht zu verwechseln, im Gegenteil: Es handelt sich bei Tatbestandsmäßigkeit um gerichtlich strafbares Verhalten“, betont Shetty – und geht noch einen Schritt weiter: „Besonders krasse Postings, die meiner Ansicht nach § 283 StGB erfüllen, habe ich zur Prüfung einer Sachverhaltsdarstellung an Rechtsanwalt Helmut Graupner übermittelt.“ Ihre Kommentare könnten einigen Usern also nun Post vom Gericht bescheren.

Für die Besucher:innen der Regenbogenparade bestehe übrigens trotz solcher Postings keine Gefahr, betont Otte: „Wie jedes Jahr wird die Regenbogenparade über Wochen und Monate hinweg gemeinsam mit der Polizei vorbereitet, die, wie auch in den letzten 25 Jahren, verlässlich für unsere Sicherheit sorgt. Es gibt keinen Grund, sich von einer Hand voll Wirrköpfe im Internet ins verunsichern zu lassen. Im Gegenteil: Jetzt erst recht! Stay safe, stay proud!“

Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit wurden die Texte der User:innen-Postings lektoriert.

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