Montag, 17. Juni 2024
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Vor Olympia: China blockiert Grindr

Die App ist aus den Stores verschwunden, User klagen über Verbindungsprobleme

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Kurz vor den Olympischen Winterspielen in Peking geht die chinesische Regierung verstärkt gegen unerwünschte Inhalte vor. Diesmal trifft es die beliebte Dating-App Grindr, die sich besonders an schwule, bi- und trans Nutzer richtet – sie ist in China sowohl aus dem App Store von Apple als auch aus den Android-Stores lokaler Anbieter geflogen.

Keine offizielle Begründung, keine Stellungnahme der Regierung

Eine offizielle Begründung für die Entfernung gibt es bis jetzt nicht, die Apps wurden einfach gelöscht – allerdings ist bekannt, dass der chinesische Staat vor Großveranstaltungen wie etwa den Olympischen Spielen gerne auch im Internet „aufräumt“. Zuletzt ist die Regierung verstärkt gegen illegale, pornografische und unerwünschte Inhalte vorgegangen. 

Einige User:innen von Grindr in China berichteten in den letzten Tagen auch von Verbindungsproblemen. Eine Stellungnahme von Grindr zum Rauswurf der App gibt es derzeit nicht. Die chinesische Spiele-Firma Beijing Kunlun Tech musste die App 2020 um 600 Millionen Dollar an US-Investor:innen verkaufen, da die Regierung der USA massive Sicherheitsbedenken hatte. Auffällig: Lokale Mitbewerber wie etwa die Dating-App Blued sind in den chinesischen App-Stores derzeit weiter erhältlich.

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LGBTI-Themen derzeit im Visier der chinesischen Regierung

Wir der Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, ist Grindr am 27. Jänner aus dem App Store geflogen, und auch in den chinesischen Android App Stores ist Grindr nicht mehr zu finden. Diese werden von lokalen Firmen wir Tencent oder Huawei betrieben, da sich Google vor einigen Jahren aus China zurückgezogen hat – mit der Begründung, dass man sich der staatlichen Zensur nicht unterwerfen möchte. 

Homosexualität ist in China zwar legal, allerdings ein gesellschaftliches Tabu-Thema, wie unter anderem der gerade mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnete Spielfilm „Moneyboys“ des österreichisch-chinesischen Regisseurs C.B. Yi aufzeigt. Beobachter hatten zuletzt eine verschärfte Intoleranz des chinesischen Staates gegen die LGBTI-Community bemerkt, wie etwa ein gezieltes Vorgehen gegen „homosexuelle Themen“ in den allesamt von Staat kontrollierten Medien.

Apple: Was ist das Engagement für LGBTI wirklich wert?

Besonders für Apple ist die Entfernung von Grindr aus dem chinesischen App Store unangenehm – schmückt sich der Konzern doch sonst damit, besonders LGBTI-freundlich zu sein und mit Tim Cook auch einen der ersten offen schwulen CEOs zu haben. Nun muss sich der Konzern aus Cupertino vorwerfen lassen, sich in Europa und den USA zwar als Vorreiter bei Themen wie LGBTI-Rechten oder Privatsphäre zu sein, sich in China aber aus geschäftlichen Interessen den Wünschen des Staates zu unterwerfen. 

Und es ist nicht das erste Mal, dass sich der Tech-Riese staatlichen Autoritäten beugt, wenn es um LGBTI-Themen geht: Letztes Jahr hat Apple nach einem Urteil in der Türkei die beliebte Gay-Dating-App Hornet aus seinem Store geworfen, die Pride-Zifferblätter für die Apple Watch sind in Russland nicht verfügbar.

Und für Apple geht es um viel Geld: China zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten und ist auch für die eigene Hardwareproduktion unerlässlich. Zuletzt soll Apple einen 275 Milliarden schweren Deal mit den chinesischen Behörden abgeschlossen haben, um eine staatliche Regulierung zu verhindern. Zum Rauswurf von Grindr hat sich der Konzern bis jetzt noch nicht geäußert. In ähnlichen Fällen hatte Apple immer argumentiert, dass es für chinesische Nutzer:innen besser sei, man sei im Land aktiv – auch wenn man sich lokalen Gesetzen unterwerfen müsse.