Donnerstag, 18. Juli 2024
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Zwei Tote nach Chemsex: Anklage gegen 52-Jährigen abgeschwächt

Staatsanwaltschaft geht von Vergewaltigung mit Todesfolge aus, Strafmaß bleibt gleich

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Im März ist in Wien ein 52 Jahre alter Mann verhaftet worden, weil er zwei Männer während Sex-Dates vorsätzlich getötet und einen dritten betäubt und ausgeraubt haben soll. Nun hat die Staatsanwaltschaft Wien die Anklage gegen den Mann, der bereits 13 Vorstrafen hat, abgeschwächt, berichtet der ORF Wien . Es gilt die Unschuldsvermutung.

Keine Anklage wegen Doppelmords

Während die Staatsanwaltschaft ursprünglich wegen Doppelmordes ermittelte, lautet die jetzt vorliegende Anklage auf Vergewaltigung mit Todesfolge, Missbrauch einer wehrlosen Person und schweren Raub. Am Ende reichten Beweislage und Gutachten für eine Mordanklage nicht aus, so Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. 

Für das Strafmaß ist die Änderung der Anklage aber ohne Bedeutung. Denn der Strafrahmen liegt sowohl bei Mord als auch bei Vergewaltigung mit Todesfolge bei zehn bis 20 Jahren oder lebenslanger Haft. Zusätzlich beantragte die Staatsanwaltschaft, dass der 52-Jährige in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht wird: Der Mann sei zwar zurechnungsfähig, weise aber eine hochgradige Persönlichkeitsstörung auf, die ihn äußerst gefährlich mache.

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Der Prozess soll Anfang nächsten Jahres starten

Der Prozess soll wahrscheinlich Anfang 2023 vor einem Schwurgericht verhandelt werden. Der mutmaßliche Täter sitzt bereits seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft. 

Ins Rollen kam der Fall im März, als Nachbarn bemerkten, dass aus der Wohnung des 52-Jährigen Verwesungsgeruch kam. Der Polizei fiel zunächst nichts Verdächtiges auf – bis sich der Mann selbst bei der Polizei meldete und angab, dass seit in seiner Wohnung ein Toter liege – der Anklage zufolge drei Wochen lang.

Der Verdächtige soll seinen Dates eine Überdosis Liquid Ecstasy gespritzt haben

Der Mann hatte sich mit dem 43-Jährigen über eine Dating-Plattform für Schwule verabredet und soll ihm dann eine Überdosis Liquid Ecstasy in den linken Arm gespritzt haben. Dann soll er den Mann vergewaltigt haben, der starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, so die Staatsanwaltschaft. 

Der Tatverdächtige bestreitet noch immer jedes strafbare Verhalten: Er und der 43-Jährige hätten lediglich Slamming betrieben, die Injektion von Drogen zum Lustgewinn, und er habe versucht, beim späteren Opfer mit dessen Einvernehmen “eine Vene zu finden”. 

Die Staatsanwaltschaft glaubt der Darstellung des Mannes nicht

Doch diese Erklärung sei mit den Feststellungen des Gutachters nicht in Einklang zu finden, erwidert die Staatsanwaltschaft. Sie glaubt nachweisen zu können, dass er den Mann zunächst mit Gewalt dazu gebracht hat, Sex mit ihm zu dulden, und ihn weiter missbraucht hat, nachdem dieser durch das Liquid Ecstasy wehrlos war

Anders sieht es beim zweiten Toten aus, der ein halbes Jahr zuvor im Mai 2021 in der Wohnung des 52-Jährigen entdeckt worden war. Zwar gibt es zahlreiche Parallelen zum ersten Fall – wie eine Einstichstelle am linken Arm oder eine tödliche Menge der Droge im Körper – aber hier konnte die Staatsanwaltschaft die Angaben des Verdächtigen nicht mit der für ein Strafverfahren nötigen Sicherheit widerlegen. 

Dritter Anklagepunkt ist ein Raub im Juni 2021: Ein dritter Mann, der sich mit dem 52-Jährigen für ein Sex-Date getroffen hatte, fand ihn letztlich nicht attraktiv und lehnte der Anklageschrift zufolge Sex mit ihm ab. Daraufhin soll ihn der Tatverdächtige zu einem Abschiedsgetränk überredet haben, das mit Liquid Ecstasy versetzt war. Nachdem der Mann betäubt war, soll er ihm Bargeld und Wertsachen für insgesamt 18.000 Euro abgenommen haben, so die Staatsanwaltschaft.