Kampf gegen HIV: Aids Hilfe Wien hat vier Forderungen

Hier ist auch noch in Österreich dringender Handlungsbedarf

Sujetbild: Aids Hilfe Wien
Parlamentsdirektion/Ulrike Wieser

Die Aids Hilfe Wien (AHW) hat den Welt-Aids-Tag dieses Jahr unter das Motto „Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit“ gestellt. Gleichzeitig stellt sie vier Forderungen auf, mit denen sie auf jene Bereiche im Kampf gegen HIV und Aids aufmerksam macht, in denen auch heute noch in Österreich dringender Handlungsbedarf herrscht.

Über sexuelle Gesundheit wird zu wenig gesprochen

Denn über sexuelle Gesundheit werde noch immer zu wenig gesprochen, meint AHW-Geschäftsführerin Andrea Brunner. Deshalb ist die erste Forderung, dass über dieses Thema offen geredet werden kann – und Menschen so ein Bewusstsein und eine Handlungskompetenz in diesem Bereich entwickeln.

„Das Recht auf einen positiven Zugang zur Sexualität, das Recht auf sexuelle Vielfalt, die Möglichkeit Probleme offen ansprechen zu können, aber auch dem gleichen und niederschwelligen Zugang zu Testungen, zu Impfungen oder anderen Präventivmaßnahmen muss Rechnung getragen werden“, so Brunner.

Zu oft würden noch Scham, Angst oder auch fehlendes Risikobewusstsein dazu führen, dass manche Menschen das Thema sexuelle Gesundheit vermeiden. Durch eine Enttabuidierung würde das Wissen über sexuell übertragbare Infektionen erweitert werden, und die Hemmschwellen, sich testen, beraten und gegebenenfalls behandeln zu lassen, würden abgebaut werden.

Aids Hilfe Wien fordert kostenlose PrEP

Die zweite Forderung der Aids Hilfe Wien ist ein niederschwelliger und kostenfreier Zugang zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die eine HIV-Infektion verhindern kann. Eine Forderung, die auch die Österreichische AIDS Gesellschaft, die Fachgesellschaft der HIV-Behandler:innen, teilt. Derzeit kostet die PrEP in Österreich noch immer mindestens 59 Euro im Monat – für viele besonders vulnerable Gruppen ist sie daher nicht oder schwer leistbar.

Weiters fordert die AHW ein Ende der Diskriminierung und Stigamtisierung HIV-Positiver. Denn die Einschränkung der Lebensqualität durch Abwertung und Diskriminierung verursache größere Probleme und Einschränkungen als die gesundheitlichen Einschränkungen durch die HIV-Infektion unter wirksamer Therapie.

Gesundes Leben mit HIV ist in Österreich gut möglich

„Die Aids Hilfe Wien setzt sich daher deutlich gegen moralische Be- und Abwertungen von HIV-positiven Menschen ein und stellt klar: Aufgrund der medizinischen Fortschritte und dem guten Zugang zu wirksamer antiretroviraler Therapie lässt sich das Leben mit HIV in Österreich gut und gesund gestalten“, heißt es dazu.

Die vierte Forderung der Aids Hilfe Wien betrifft die Aufklärung von Jugendlichen. Hier seien Transparenz und der Bezug auf aktuelle Erkenntnisse besonders wichtig, um Jugendliche altersgemäß aufzuklären und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu fördern. So würden ihre Kompetenzen gestärkt, um zu erkennen, wenn in ihrem Lebensraum Grenzen überschritten würden.