Freitag, 31. Mai 2024
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„Wer sich vor HIV schützen will, darf nicht warten müssen“

Zu wenig Ärzte, zu aufwändige Fortbildung: Kritik am Weg zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

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Die Zahl der HIV-Neuinfektionen unter Männern, die Sex mit Männern haben, ist in Deutschland erneut zurückgegangen. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) haben sich letztes Jahr etwa 1.000 Männer, die Sex mit Männern haben, mit HIV angesteckt. Das wäre im Vergleich zu 2020 ein Rückgang von 100 Neuinfektionen. Ein Grund für diesen Rückgang: Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) – doch auch hier gibt es noch viel Verbesserungspotenzial. 

In vielen Städten und Regionen gibt es noch Versorgungsengpässe

Denn noch werden nicht alle Menschen, die für eine PrEP in Frage kommen, auch erreicht. Das RKI stellt fest, dass es in vielen Städten und Regionen Versorgungsengpässe bei Praxen gibt, die auf die PrEP spezialisiert sind. So müssten Betroffene oft lange Wartezeiten oder Fahrtwege in Kauf nehmen. 

Das kritisiert Winfried Holz, Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe. “Wer sich vor HIV schützen will, darf nicht warten müssen, sondern muss schnell und leicht Schutz bekommen! Wir brauchen eine flächendeckende, unkomplizierte Versorgung mit dieser hoch wirksamen Schutzmethode. Das bedeutet vor allem: mehr Ärztinnen und Ärzte, die sie verschreiben. Das Potenzial der PrEP ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft, die Neuinfektionszahlen könnten weiter sinken”, kritisiert er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). 

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Für Ärzt:innen ist die PrEP oft nicht sehr attraktiv

Für Ärzt:innen ist das Verschreiben der PrEP oft nicht sehr attraktiv – sie müssen sich zunächst aufwändig fortbilden, nun droht der Wegfall der extrabugetären Vergütung der Krankenkassen für die PrEP. Das sei “kontraproduktiv”, solange die PrEP-Versorgung noch ausgeweitet werden müsste, kritisiert DAH-Medizinreferent Axel Jeremias Schmidt. 

Es müsse Ärzt:innen “leichter gemacht werden, die PrEP zu verschreiben”, so Schmidt. Er kann sich vorstellen, dass auch Hausarztpraxen die PrEP-Versorgung mitübernehmen. “Die nötigen Fachkenntnisse lassen sich leichter erwerben als auf dem zurzeit vorgeschriebenen Weg”, so der DAH-Medizinreferent. 

Außerdem sollten alle Menschen einen leichteren Zugang zur PrEP haben. Sie sei nicht nur für schwule Männer geeignet, so DAH-Vorstand Holz. So sollte sie etwa auch in der reisemedizinischen Beratung für jede Menschen ein Thema sein, die im Ausland sexuelle Kontakte haben.