Freitag, 19. Juli 2024
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Verfolgung durch Behörden: Asyl für bisexuellen Ägypter in Österreich

Erfolg für die LGBTI-Flüchtlingshilfe Queer Base: Das Bundesverwaltungsgericht hat einem bisexuellen Ägypter Asyl in Österreich zugesprochen.

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Eine frohe Nachricht verbreitet die LGBTI-Flüchtlingsorganisation Queer Base über die Kurznachrichtenplattform X (vormals Twitter): Ein bisexueller Klient aus Ägypten hat in zweiter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG) Asyl zugesprochen bekommen.

Dem Mann wurde mit einer Dating-App eine Falle gestellt

Der Mann wurde Opfer einer besonders perfiden Methode der ägyptischen Polizei: Sie stellt schwulen und bisexuellen Männern in einschlägigen Dating-Apps wie Grindr eine Falle, um dann von den Festgehaltenen weitere Namen zu erpressen oder sie wegen „Unzucht“ oder „Verletzung des öffentlichen Anstandes“ zu verhaften.

Ihnen drohen dann jahrelange Gefängnisstrafen. So wurden etwa im Jahr 2017 in einem Verfahren 17 Männer zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt, die Höchststrafe beträgt zwölf Jahre. Einige Apps zeigen deshalb Usern in Ägypten bereits entsprechende Warnhinweise.

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Erst in zweiter Instanz bekam der Mann Asyl

Der Mann flüchtete nach diesem Erlebnis nach Österreich und suchte um Asyl an. Dieses wurde allerdings in erster Instanz abgewiesen – woraufhin sich der Mann mit Hilfe von Queer Base an das BVwG wandte. Dieses entschied jetzt zugunsten des Ägypters.

Insgesamt dauerten die Verfahren in beiden Instanzen nur sechs Monate – was für die zweite, aber gegen die erste Instanz spricht. „Warum bei einem Herkunftsland wie Ägypten ein derart schnelles Verfahren durchgezogen wird, ist uns schleierhaft“, schreibt die Queer Base auf X.

Die Verfolgung der Community hat in Ägypten System

Denn die Verfolgung der LGBTI-Community hat in Ägypten System. Und das kann auch Ausländer:innen treffen: So wurde etwa 2017 ein deutscher Tourist verhaftet und zur Ausreise gezwungen. Während der Deutsche in Polizeigewahrsam war, wurde ein Ägypter mit einer Dating-App auf dem Handy des Deutschen in die Falle gelockt.

Das deutsche Außenministerium warnt deshalb auch Tourist:innen, die nach Ägypten reisen, vor der Benutzung von Dating-Apps. Es könne nicht ausgeschlossen erden, dass diese Opfer der Vorgangsweise der ägyptischen Behörden werden. Auf der Seite des österreichischen Außenministeriums ist der Hinweis dezent unter dem Punkt „Rücksichtnahme auf islamische Sitten und Gebräuche“ zu finden.