Freitag, 19. April 2024
"Almamula" ist ein beeindruckender Film, der sich sorgfältig mit Themen wie Homophobie, Identität und Übernatürlichem auseinandersetzt. Torales erzählt eine Geschichte, die sowohl persönlich als auch universell ist und deren Charaktere den Zuschauer tief berühren.
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Moral, sexuelles Erwachen und ein Monster im Norden Argentiniens

„Almamula“ von Juan Sebastián Torales ist ein Film, der sich zwischen den Genres Drama und Fantasy bewegt und dabei eine tiefgründige Geschichte über Homophobie, Selbstentdeckung und die Konfrontation mit dem Übernatürlichen erzählt.

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Das Setting von „Almamula“ ist ungewöhnlich. Der Film spielt in Santiago del Estero im Norden Argentiniens, dem heißesten Ort Südamerikas. Der Film spielt nicht nur mit einer geografischen, sondern auch mit einer metaphorischen Hitze, die die inneren Konflikte der Charaktere widerspiegelt. 

Im Mittelpunkt steht der junge Nino, gespielt von Nicolás Díaz. Nach einem homophoben Überfall zieht seine Familie aufs Land. Dieser Umzug soll Nino helfen, sich von seinen Problemen zu erholen und sich auf seine katholische Konfirmation vorzubereiten. Die Geschichte nimmt eine Wendung, als ein Bursche verschwindet und die Legende von Almamula ins Spiel kommt. Almamula ist ein Ungeheuer, das angeblich die sexuell Unreinen bestraft.

Ein queerer Bursche im Spannungsfeld der familiären Moral

Juan Sebastián Torales, Regisseur, Drehbuchautor und Cutter, gelingt es in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm, eine glaubwürdige Familiensituation zu schaffen, in der jede Figur ihre eigenen moralischen und sexuellen Entdeckungen macht.

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María Soldi spielt die Mutter, die neben der Erziehung auch die moralische Verantwortung trägt, während Nino und seine Schwester Natalia ihre eigene Identität und ihr eigenes Begehren erforschen. Die Erzählung dreht sich letztendlich auch um Ninos Entwicklung vom ängstlichen zum neugierigen, wagemutigen und provokativen Burschen.

Das Übernatürliche als zusätzliches Element im Film

Torales wählt eine überwiegend realistische Ästhetik für seinen Film. Das Übernatürliche nutzt er nicht als separates Element, sondern als Katalysator für die Entfaltung der Emotionen seiner Charaktere. Er spielt mit einer allgemeinen Sexualität, die sowohl bei jungen als auch bei erwachsenen Charakteren deutlich wird, und stellt sie ironischerweise außerhalb der Haupthandlung und der Schlussszene des Films, die an sich schon bemerkenswert ist.

„Almamula“ ist in seiner symbolischen Erkundung eher vorsichtig, aber der Film überzeugt durch sein breites Spektrum an sexuell fließenden und glaubwürdigen Reaktionen, die gleichzeitig fesselnd und glaubwürdig sind.

Durch seine unkonventionelle, aber markante Interpretation moralischer und mystischer Aspekte innerhalb des Genres erregt er Aufmerksamkeit. Das Ausloten des Spannungsfeldes zwischen Sexualität und Spiritualität ist ein großes Thema im Film, das Torales in seinem Debütfilm auf subtile Weise beleuchtet.

Wie eng sind Konservativismus und Aberglauben miteinander verknüpft?

Die Spannung wird durch die traumartige Ambiguität der Eingangsszenen aufgebaut. Hier wird die Diskrepanz zwischen den göttlichen Lehren des Katholizismus und den provinziellen Legenden deutlich. In „Almamula“ erkundet Torales die Dynamik zwischen Konservatismus und Aberglauben. Diese Reibung durchdringt die Erkundung der Selbstverwirklichung und Heiligkeit des Jungen – der eigentliche Schrecken des Films.

Insgesamt bietet „Almamula“ ein reichhaltiges, komplexes und emotional bewegendes Filmerlebnis. Der Film behandelt einfühlsam sowohl die persönlichen Kämpfe seiner Charaktere als auch die größeren gesellschaftlichen und kulturellen Themen, mit denen sie konfrontiert sind. Es handelt sich um einen Film, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig unterhält. Juan Sebastián Torales liefert mit diesem Werk ein beeindruckendes Debüt.

Mehr Informationen
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Almamula
Frankreich/Argentinien/Italien 2023 | span. OV mit dt. UT | Drama/Fantasy | 94 Minuten
Regie: Juan Sebastián Torales | Besetzung: Nicolás Díaz, Martina Grimaldi, María Soldi, Cali Coronel, Luisa Lucía, Paz Beto Frágola
"Almamula" ist ein beeindruckender Film, der sich sorgfältig mit Themen wie Homophobie, Identität und Übernatürlichem auseinandersetzt. Torales erzählt eine Geschichte, die sowohl persönlich als auch universell ist und deren Charaktere den Zuschauer tief berühren.Moral, sexuelles Erwachen und ein Monster im Norden Argentiniens
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