Polizei Köln: CSD-Teilnehmer nach Parade misshandelt?

Unglaublich klingende Vorwürfe gegen die Beamten - aber kein einziger Zeuge für den Vorfall

Sven W.
Facebook/privat

In Köln beschuldigt ein junger Schwuler die Polizei, ihn am CSD-Wochenende geschlagen und homophob beleidigt zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück, der mutmaßlich angegriffene sucht nun nach Zeugen, die seine Angaben bestätigen können. Seine Schilderungen klingen für die Behandlung durch eine Polizei in Mitteleuropa wahrlich unglaublich.

„Wie ein nasser Sack nach draußen gezerrt“

Auf Facebook wirft der CSD-Teilnehmer Sven W. der Kölner Polizei „homophobe Misshandlungen“ vor. So soll er gegen 17.00 Uhr im McDonald’s vor dem Kölner Dom vor den Toiletten – offenbar von den Beamten – „gewaltsam, ohne Gegenwehr auf den Boden gehauen“ und an Händen und Füßen mit Kabelbindern gefesselt worden sein. Über den Grund für den Einsatz der Polizei schweigt er auf Facebook.

Während des Einsatzes sei W. wiederholt bewusstlos geworden, beschreibt er auf Facebook. Er sei von den Beamten „regungslos, an den Haaren, am ganzen Körper gepackt und wie ein nasser Sack nach draußen gezerrt und geschleppt“ und dann „in den Wagen geprügelt“ worden, behauptet er. „Ein Polizist kommt von der anderen Türseite und schlägt mir bewusst ins Gesicht, beleidigt mich und streckt die Zunge raus zum Schluss“, beschreibt der junge Schwule den Vorfall. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht.

„Rein sexualisiertes Dominanzspiel“ der Polizei

An der Wache angekommen hat W. seiner eigenen Schilderung zufolge eine Maske über den Kopf gezogen bekommen und wurde in eine Zelle gebracht. Dort folgten dem jungen Schwulen zufolge „viele solcher menschenunwürdigen Erfahrungen“. Er selbst nennt die Behandlung durch die Polizei „Folter“ – unter anderem, „da die Polizei den Alarmton in meiner Zelle oft stundenlang laufen ließ, wenn ich den Schalter gedrückt habe“, wie er auf Facebook weiter schreibt.

Für W. waren Festnahme und der Zellenaufenthalt ein „nicht rechtsstaatlicher, willkürlicher, diskriminierender Akt ganz gezielt gegen mich als schwächstes Glied der Gesellschaft, ein reines sexualisiertes Dominanzspiel“. Erst gegen 0.30 Uhr sei er „halbnackt“ freigelassen und über einen Nebeneingang auf die Straße geschickt worden. Eine unabhängige Bestätigung von Zeugen für all diese Vorwürfe gibt es nicht.

Polizei dementiert Homophobie-Vorwürfe

Die Polizei von Nordrhein-Westfalen dementiert den Vorwurf der Homophobie ebenfalls über Facebook und distanziert sich ausdrücklich davon: „Im Rahmen eines Einsatzes ‚Schlägerei‘, zu dem die Polizei gerufen wurde, ist nach Widerstandshandlungen gegen polizeiliche Maßnahmen eine Person in Gewahrsam genommen worden.“, so die Behörde.

Nun werde der Sachverhalt durch die Kriminalpolizei und die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt. „Dies beinhaltet auch die Prüfung der Anschuldigungen gegenüber der Polizei“, so die Beamten auf Facebook. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.