Erster offen schwuler Landesbischof in Österreich

Die evangelische Kirche in Niederösterreich bekommt einen homosexuellen Superintendenten

Lars Müller-Marienburg
epd/Uschmann

Die evangelische Kirche in Österreich hat ihren ersten offen schwulen Landesbischof. Seit Anfang September ist der gebürtige Deutsche Lars Müller-Marienburg Superintendent der evangelischen Diözese A. B. Niederösterreich.

Österreichische Staatsbürgerschaft fürs Kirchenamt

Müller-Marienburg war zuvor sechs Jahre lang Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Innsbruck-Auferstehungskirche. In St. Pölten folgt er Paul Weiland nach, der 17 Jahre niederösterreichischer Superintendent war und letztes Jahr gestorben ist. Am 15. Oktober wird er offiziell in sein Amt eingeführt. Da die österreichische Staatsbürgerschaft Voraussetzung für das Amt ist, musste der Theologe seine deutsche Staatsangehörigkeit zurücklegen und die österreichische annehmen.

Der neue niederösterreichische Superintendent ist der erste offen schwule Mann, der in der evangelischen Kirche ein so hohes Leitungsamt bekleidet. Als sich der 39-Jährige für das Amt beworben und sich vorgestellt hatte, ging er offen mit seiner sexuellen Orientierung um.

„Die Leute müssen mir nur meinen Glauben glauben“

„Ich habe zu den Leuten gesagt, sie müssen das nicht toll finden mit dem Schwulsein. Sie müssen mir nur meinen Glauben glauben. Sie müssen mir glauben, dass ich mit Gott unterwegs bin und dass ich auch eine Sehnsucht nach Gott habe und es gut meine mit der Kirche“, erinnert sich Müller-Marienburg im Interview mit dem ORF-Religionsmagazin „Orientierung“.

Ein möglicher schwuler Superintendent wurde innerhalb der Diözese durchaus kontroversiell diskutiert. So kam es sogar zu Austrittsdrohungen, wenn der Theologe wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden sollte. Zum Schluss wurde Müller-Marienburg im Juni bei der Superintendentialversammlung in St. Pölten im 5. Wahlgang mit 47 von 70 Stimmen der Delegierten gewählt. Die evangelische Kirche A. B. hat in Niederösterreich etwa 40.000 Mitglieder in 28 Gemeinden.

Müller-Marienburg möchte dazu beitragen, „dass die Evangelische Kirche als Teil einer religiösen Vielfalt eine Rolle spielt“. Innerhalb der Diözese möchte Müller-Marienburg eine Kirche mitgestalten, in der Menschen Freude erleben: „Die Evangelische Kirche ist ein Ort zum Leben und zur Freude im Hier und Jetzt.“ Der römisch-katholische Bischof der Diözese St. Pölten, Klaus Küng, hat dem designierten Superintendenten zu dessen Wahl gratuliert.