Wegen Verpartnerung: Angriff auf Standesbeamtin in Vorarlberg

Am hellichten Tag raste ein Wagen auf sie zu und die Insassen beschimpften die 51-Jährige

Polizei (Österreich)
JouWatch/flickr - CC BY-SA 2.0

Weil sie eine schwule Verpartnerung durchgeführt hatte, soll eine 51-jährige Standesbeamtin aus Hohenems auf offener Straße bedroht worden sein. Das berichten die Vorarlberger Nachrichten.

Frau wartete bei der Kreuzung, als ein schwarzer BMW auf sie zuraste

Der Vorfall ereignete sich bereits am letzten Samstag, um 12.00 Uhr mittags: Die 51-jährige wartete bei einer Kreuzung im Stadtzentrum am Zebrastreifen auf die Grünphase, um über die Straße gehen zu können. Doch plötzlich raste ein schwarzer BMW mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf die Frau zu.

Der Lenker des Wagens fuhr dabei auch auf den Gehsteig. Erst knapp vor der Standesbeamtin wechselte der Unbekannte wieder auf die Straße und stellte sein Fahrzeug im Kreuzungsbereich quer. „Sie wurde von den vier Insassen des Pkw auf das Übelste beschimpft“, heißt es im Bericht der Polizei über das, was danach folgte.

Danach drückte der Lenker wieder aufs Gas uns fuhr, erneut mit überhöhter Geschwindigkeit, in Richtung Götzis davon. Die Frau war in Schock – und konnte der Polizei nur eine vage Beschreibung der Insassen geben. Sie konnte sich nur erinnern, dass sie dunkle Lederjacken und Baseballkappen trugen.

Der Vorfall steht offenbar in Zusammenhang mit einer gleichgeschlechtlichen Verpartnerung in Hohenems

Den Ermittlungen der Polizei zufolge könnte der Vorfall mit einer gleichgeschlechtlichen Verpartnerung zu tun haben, die am 29. September im Hohenemser Rathaus stattgefunden hat. Die Ermittler nehmen an, dass die Beamtin deshalb ins Visier homophober Männer geraten sein könnte. Die Frau, der Tatort und auch der Tatzeitpunkt würden „in einem direkten Zusammenhang mit einer kurz zuvor stattgefundenen gleichgeschlechtlichen Verpartnerung“ stehen, so die Beamten.

Strafrechtlich relevant könnten in diesem Fall Beleidigung und Nötigung sein, das Befahren des Gehsteigs und die Geschwindigkeitsübertretung dürften jedenfalls Verwaltungsstrafen nach sich ziehen. Die Stadtpolizei Hohenems bittet Zeugen um sachdienliche Hinweise unter der Telefonnummer 05576/710 11-520.

Grüne Stadträtin fordert klares Statement der Politik

Der Vorfall sorgt auch in der Politik für Empörung: „Neben der Strafverfolgung der Täter braucht es auch ein klares öffentliches Statement vonseiten der Politik“, fordert die Grüne Stadträtin Patricia Tschallener, die auch Sprecherin der Grünen Andersrum in Vorarlberg ist. Sie nannte den Angriff „schockierend und zutiefst abstoßend“.

„Wir müssen öffentlich zeigen, dass hier kein Platz für Hetze oder gar Gewalt gegen homosexuelle Menschen ist“, ruft Tschallener die Entscheidungsträger aus Stadt und Land auf, öffentlich eine Lanze für die LGBT-Community zu brechen.