Kieler Psychologe: Viele Migranten hassen Homosexuelle

Viele Kinder von Migranten hassen Lesben und Schwule. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Kiel. Außerdem gibt es ein deutliches Sympathiegefälle zwischen Stadt und Land, geht aus der Studie hervor. "Zwischenmenschlich gibt es auf dem Land oft eine hohe Toleranz", so der Leiter der Studie, Psychologieprofessor Bernd Simon von der Universität Kiel. Ganz nach dem Motto "Der ist zwar schwul, aber trotzdem ganz nett." Gehe es aber um gleiche Rechte für Homosexuelle, seien die Menschen konservativer eingestellt.
Geradezu abstoßend finden Migranten der zweiten Generation es, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. "Wir haben festgestellt, dass Jugendliche, deren Wurzeln in der Türkei oder der ehemaligen UdSSR liegen, deutlich intoleranter gegenüber Homosexuellen sind, als Jugendliche ohne Migrationshintergrund", sagt der Wissenschaftler. Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit sei besonders ein Thema, wenn die Jugendlichen traditionellen Männlichkeitsnormen anhängen, so Simon. Zwei sich küssende Männer seien für sie keine richtigen Kerle.
Bei Kindern aus türkischstämmigen Familien spiele auch die Religion eine große Rolle. "Einwandererkinder aus der ehemaligen UdSSR haben eine hohe Abneigung gegen Homosexuelle, wenn sie sich selbst von der Gesellschaft diskriminiert fühlen."
Die positive Erkenntnis der Kieler Studie: Außer bei Jugendlichen mit russischem Kulturhintergrund wird die Ablehnung von Lesben und Schwulen schwächer, je stärker der Kontakt zu Homosexuellen ist. In Berlin laufen deshalb erste Integrationsprojekte.