Glutamat macht Fruchtfliegen schwul

Während man bei Menschen oder anderen höher entwickelten Säugetieren noch nicht weiß, warum sie sich vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen, ist Wissenschaftern in Chicago ein einmaliges Experiment gelungen: Sie haben Fruchtfliegen schwul und dann wieder hetero gemacht – binnen weniger Stunden.

Bei Fruchtfliegen hängt die sexuelle Anziehungskraft vom Geruch des Partners ab. Er aktiviert das „genderblind“-Gen der Fruchtfliege. Schaltet man es ab, umwerben früher heterosexuelle Männchen andere Männchen, die Änderung wird im Gehirn durch den Neurotransmitter Glutamat bewirkt. „Wenn man das Gen ab- oder anschaltet, oder wenn man Glutamat vermehrt/verringert, kann man das homosexuelle Verhalten an- oder abschalten“, berichtet eine Gruppe um David Featherstone von der University of Illinois in Chicago in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Nature Neuroscience“. Das heißt auch, dass das Gehirn bei allen gleich gebaut ist, und dass es von Neurotransmittern unterschiedlich eingestellt wird. Sie entscheiden, wie Pheromone, also Sexual-Duftlockstoffe, wahrgenommen werden.

Bei Menschen erregt Testosteron zum Beispiel die Gehirnregionen für sexuelle Aktivität bei Frauen und schwulen Männern, nicht aber bei heterosexuellen Männern. Das wurde in einer Studie 2005 herausgefunden.