Schwuler Priester gibt Zeitungsinterview

In der Debatte um Homosexualität in der Kirche lassen die „Salzburger Nachrichten“ einen Betroffenen zu Wort kommen und haben ein Interview mit einem schwulen Priester veröffentlicht. Seine Schlussfolgerung: „Wir schwulen Priester sind nicht die schlechtesten unserer Zunft“.

Der etwa 50-jährige Mann, dessen Name nicht veröffentlicht wurde, kritisiert in dem Interview die Aussagen des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner, Homosexualität sei heilbar: „Er vertritt keine Theologie von heute. Und was er zur Homosexualität sagt, hat keine Basis auf medizinischer und humanwissenschaftlicher Seite“.

Im Alltag habe er mit seiner Homosexualität keine Probleme, sagt der Priester. Er schätzt, ein Drittel der römisch-katholischen Priester sei schwul, ein weiteres Drittel lebe in einer heterosexuellen Beziehung, und ein Drittel versuche, mit dem Zölibat zu leben. „Es gibt sicher solche, die das ehrlich und für ihr Wirken fruchtbar leben können“, ist sich der Pfarrer sicher. Für ihn ist – anders als für Wagner – Homosexualität keine Krankheit: „Ich sehe mich so von Gott geschaffen, so wie andere rote Haare haben oder Linkshänder sind. Inzwischen bin ich sogar dankbar dafür.“

Denn Liebe und Sexualität hat ihn auch in seinen Ansichten reifen lassen: „Ich stehe zu meiner Veranlagung, wenn ich gefragt werde; ich ergreife auch öffentlich Partei für Lesben und Schwule. Ich durfte auch erfahren, wie glücklich einvernehmlich gelebte Sexualität mit einem anderen Menschen macht. Seitdem erst fühle ich mich so richtig als Mann. Ich lebe unverkrampfter, gönne anderen beziehungsfördernde lustvolle Zweisamkeit, bin toleranter, großherziger, verständnisvoller. Mein Beruf macht mir noch mehr Freude“, erklärt der Priester den „Salzburger Nachrichten“.

Vor zehn Jahren habe er sich bei seiner Familie geoutet, auch die engsten Mitarbeiter seiner jetzigen Pfarre wissen, dass er schwul ist: „Sie haben sich sehr geehrt gefühlt durch das Vertrauen, das ich ihnen geschenkt habe und mich gebeten, dass ich zu ihnen als Pfarrer komme. Dadurch habe ich hier eine ganz andere Basis zu wirken – mit viel mehr Grundvertrauen als zum Beispiel in meiner früheren Pfarre, wo ich bedroht wurde“, erinnert er sich.

Der römisch-katholischen Kirche wünscht er, dass sie die Fähigkeiten ihrer homosexuellen Verantwortlichen schätzen lernt: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, sondern die Pflanzen hegen und die Früchte dankbar ernten“, so der Salzburger Priester.

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