„Teddy Award“ geht nach Mexiko

Die Berlinale ist vorbei – und auch die Teddys, als wichtigster schwul-lesbischer Filmpreis der Welt wurden in einer glanzvollen Gala verliehen. Bedeutend sind die von Ralf König entworfenen Skulpturen auch deshalb, weil die Teddy Awards, anders als vergleichbare Festivals, offiziell Teil der Berlinale sind.

Mit dem Spezialpreis für sein Lebenswerk wurde heuer die Underground-Legende Joe Dallesandro geehrt. Im Umfeld von Andy Warhol wurde er berühmt, er galt lange als schönster und verführerischster Mann der Welt. „Er hat eine physische Erscheinung, derer man nie müde wird zuzusehen. Das gilt für das bewegte Bild genau so wie für Fotos – und für Männer wie Frauen.“, erklärt Teddy-Vorsitzender Wieland Speck die Entscheidung der Jury. Um das Phänomen Joe Dallesandro zu erklären, wurde im Rahmen des Teddy-Programms die Dokumentation „Little Joe“ gezeigt, die ihn aus Sicht seiner Tochter portraitiert.

Das erste Mal wurde auch ein Preis für die beste schauspielerische Leistung vergeben. Er ging an den britischen Schauspieler John Hurt für seine außergewöhnliche schauspielerische Leistung in dem letztes Jahr gedrehten Film „An Englishman In New York“ über die letzten Jahre im Leben des britischen Autors und Entertainers Quentin Crisp. Hurt spielte den offen schwulen Crisp schon 1975 in einer für das Fernsehen gedrehten Biografie. Nina Hagen überreichte ihm den „Teddy“. Das Publikum dankte Hurt mit Standing Ovations. Dieser Preis bedeute ihm mehr als die Ernennung zum Ritter durch die englische Königin, sagte Hurt in seiner Dankesrede.

Den Preis für den besten Film bekam der mexikanische Film „Raging Sun, Raging Sky“ von Julián Hernández „für die meisterhafte Kameraarbeit und die visionäre Farb- und Tongestaltung sowie für die gelungene Auseinandersetzung mit den Themen Liebe, Begehren und Sexualität“, wie es in der Begründung der Jury heißt. Für Hernández ist es nach 2003 schon der zweite Teddy.

Als beste Dokumentation wurde John Greysons „Fig Trees“, eine Doku-Oper über die beiden Aids-Aktivisten Tim McCaskell und Zackie Achmat, ausgezeichnet. Für den Film wurden dokumentarische Interviews, Reden, Pressekonferenzen und Demonstrationen gesampelt, mit Musik versetzt und als Opernszenen neu improvisiert. Die Jury war der Meinung, dadurch erfinde Greyson den Dokumentarfilm neu. Auch für Greyson war es nicht der erste schwule Bär: Er gewann bereits 1989 und 1981 mit seinen Kurzfilmen einen Preis. „Dass ich vor fast 20 Jahren den Teddy erhalten habe, hat mein Leben verändert und mich weiter Filme machen lassen“, sagte Greyson in seiner Dankesrede.

Und der beste Kurzfilm bei den Teddy-Awards ist „A Horse Is Not A Metaphor“ von Barbara Hammer. „Ein sehr intimes visuelles Essay über ihren Weg, den Eierstock-Krebs zu überleben“, wie die Jury meint.

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