Marokko: Offensive gegen Lesben und Schwule

Regierung will Islamisten Thema wegnehmen

Flagge von Marokko
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In Marokko geht die Regierung verschärft gegen Homosexualität vor – und will sich damit vor den Regionalwahlen als Hüterin der islamischen Werte präsentieren.

In einer Erklärung gibt das marokkanische Innenministerium bekannt, verstärkt gegen Personen vorzugehen, die gegen die „moralischen und religiösen Werte“ der Gesellschaft verstießen. Ein Beamter des Ministeriums, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP, diese Erklärung sei gegen Presseberichte gerichtet, die mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben forderten.

Mit dieser Erklärung soll den Islamisten in Marokko offenbar ein emotional besetztes Thema genommen werden. Im Juni werden die Regionalparlamente gewählt, und die oppositionelle, anti-westlich eingestellte islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung fordert ein hartes Durchgreifen gegen „nichtislamische“ Aktivitäten.

Auf „unnatürliche Akte mit Mitgliedern des gleichen Geschlecht“ stehen in Marokko bis zu drei Jahre Gefängnis. Nach Medienberichten sollen vor kurzem 20 Schwule im Zentrum des Landes wegen ihrer sexuellen Ausrichtung verhaftet worden sein. In Touristenzentren wie Marrakesch wird Homosexualität aber meistens stillschweigend toleriert.