Kritik an Homo-Heilern bei Psychologenkongress

„Sexismus, Homophobie und Fundamentalismus“ wirft ein Bündnis aus Grünen, Jungen Liberalen und Schwulengruppen den Veranstaltern eines Psychotherapie-Kongresses vor, der vom 20. bis 24. Mai im deutschen Marburg – „zufällig“ zeitgleich zum Evangelischen Kirchentag in Bremen – stattfinden soll. Der Deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fürchtet, dass bei diesem Kongress Homo-Heiler ihre wirren Theorien in wissenschaftlicher Verpackung präsentieren wollen. Auch der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, fürchtet, in Marburg könnten „Lesben und Schwule als defizitär, krank, therapiebedürftig oder sündhaft“ dargestellt werden.

Der Protest richtet sich dabei aber nicht gegen den Kongress, auf dem Theologen und Psychologen über christliche Identität reden. Die Kritik betrifft einzelne Referenten, denen vorgeworfen wird, Homosexualität für heilbar zu halten. Diese wollten Schwule therapieren und zu „bibelgemäßer Sexualität“ bewegen.

Nach Angaben von LSVD-Sprecher Manfred Bruns gibt es beim „6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ einige dieser Referenten: „Wir fordern die Universität und die Stadt Marburg auf, sich von den Seminaren zu distanzieren, die mit vermeintlich wissenschaftlichem Duktus homophobe und gefährliche Umpolungsangebote machen“, so Bruns.

Die Seminare verstecken sich hinter Titeln wie „Reifung in der Identität als Frau und als Mann“ und „Weibliche Identitätsentwicklung und mögliche Probleme“. Einer der Referenten ist Markus Hoffmann, Leiter der Gruppe „Wüstenstrom“, der angibt, von seiner Homosexualität „geheilt“ worden zu sein: „Meine Identität war gereift, genügend positive Selbst- und Objektrepräsentanzen waren entstanden und damit wurde für mich die Homosexualität als Ich-Stütze überflüssig, heterosexuelle Gefühle konnten hervortreten.“, sagt er in der Tageszeitung „Die Welt“.

Der LSVD wirft „Wüstenstrom“ vor, dass die Organisation „nicht ergebnisoffen“ berät und die christlichen Therapeuten „Probanden, die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, ihre homosexuelle Orientierung zu unterdrücken, fallen lassen und sie nicht einmal an andere Hilfsangebote weiterleiten“.

Veranstaltet wird der Kongress von der „Akademie für Psychotherapie und Seelsorge“ (APS). Sie weist die Vorwüfe zurück: Es gehe nicht darum Homosexuelle umzupolen, sondern um das „Bemühen, die Betreffenden dabei zu unterstützen, sich in ihrem Gewordensein besser zu verstehen und ihre individuelle sexuelle Identität zu finden und bejahen zu können“.

Für die Mitgliedschaft in der APS muss man allerdings die „Glaubensüberzeugung der Evangelischen Allianz“ teilen – und diese konservative Gruppe ist gegen jene Anerkennung der Homosexualität, wie sie sonst in der evangelischen Kirche üblich ist.

Hartmut Rus, Ansprechpartner des LSVD für Sekten- und Psychogruppen, weiß: „Für viele Evangelikale ist die einzige von Gott gegeben Orientierung die heterosexuelle, weil Gott Mann und Frau dafür geschaffen hat. Homosexualität sei ein Identitätproblem, das ‚von Gott trennt‘, das gelöst werden muss und durch lebensgeschichtliche Traumata verursacht sein soll. Daher werden sie weiterhin behaupten, niemanden umzupolen, da jeder sowieso von Natur aus heterosexuell ist. Sie wollen nur helfen, indem das ‚homosexuelle Problem‘ gelöst wird“, sagt Rus gegenüber dem Onlineportal „dieStandard“.

„Unserer Meinungen nach sollten deutsche Universitäten weder antisemitischen, rassistischen oder anderen menschenfeindlichen Ideologien ein Forum bieten“, so Rus abschließend.