Aktivisten kritisieren Jamaika-Boykott scharf

Wegen der anhaltenden Gewalt gegen Schwule und Lesben in Jamaika haben amerikanische und europäische Aktivisten zum Boykott von Produkten der Karibikinsel aufgerufen. Die jamaikanische Lesben- und Schwulenorganisation J-Flag hat sich jetzt deutlich gegen diesen Boykott ausgesprochen, da er Homosexuellen auf der Karibikinsel schadet und Firmen trifft, die sich gegen Hass und Gewalt einsetzen.

Denn die Situation im Land scheint sich ganz langsam zu ändern: Einige jamaikanische Firmen unterstützen mittlerweile keine Musik mehr, die zu Gewalt oder Diskriminierung aufruft. „Wenn man das beachtet, finden wir es bedauerlich, dass eine Kampagne gestartet wurde, die zum Boykott von zwei Produkten aus Jamaika aufruft.“ erklärt Jason McFarlane von J-Flag in einer Stellungnahme. Denn Red Stripe Bier, das die Initiatoren des Boykotts explizit nennen, „hat sich bei den Mitgliedern der LGBT Community eindeutig von der Feindseligkeit und Gewalt distanziert“, so McFarlane. „Im Apil 2008 hat Red Stripe die mutige und grundsätzliche Haltung eingenommen, keine Festivals mehr zu unterstützen, die zu Hass und Intoleranz, auch gegen Mitglieder der lesbischwulen Community, aufrufen.“

Mit den Initiatoren des Boykotts geht der J-Flag-Sprecher hart ins Gericht: „Es ist unglücklich, dass sie Organisatoren der aktuellen Boykott-Kampagne beim Zusammentragen der Fakten versagt haben. Dass Red Stripe irrtümlich als Ziel auserkoren wurde, ist ein erheblicher Schaden für einen Prozess des Wandels, den wir vor fast elf Jahren begonnen haben“, so McFarlaine. J-Flag müsse sich jetzt bei Meinungsbildnern in Jamaika für eine Aktion rechtfertigen, mit der sie nichts zu tun haben: „Unter diesem Aspekt möchten wir noch einmal betonen, dass – auch wir die Unterstützung unserer internationalen Verbündeten anerkennen und deren Ungeduld bei den Veränderungen verstehen – wir, die in Jamaika leben, sie Situation und deren Dynamik am besten kennen.“