US-Lutheraner lassen Homo-Paare im Pfarrhaus zu

Eine bemerkenswerte Entscheidung hat die Lutherische Kirche in den Vereinigten Staaten (ELCA) getroffen: Offen schwul oder lesbisch lebende Geistliche können nun offiziell zu ihren Partnern stehen. Eine eheähnliche monogame Gemeinschaft wird von der Kirche akzeptiert. Bis jetzt mussten homosexuelle Geistliche zölibatär leben. Offene Beziehungen oder häufig wechselnde Sexualpartner können aber nach wie vor zur Kündigung führen.

Mit 559 zu 451 Stimmen war die Abstimmung beim Treffen lutherischer Geistlicher in Minneapolis knapp.

Konservative Kräfte unter den Lutheranern proben jetzt den Aufstand. Sie drohen – ähnlich wie bei den Anglikanern – mit einer Kirchenspaltung. „Ich verstehe nicht, wie die Kirche, der ich seit 30 Jahren uneingeschränkt diene, etwas gut heißen kann, was Gott verdammt“, erklärt Pastor Richard Mahan aus West Virginia. „Die Mehrheit der Gläubigen in meiner Gemeinde wird die Kirche verlassen, wenn dieser Entscheidung zugestimmt wird“, droht der Gottesmann eine ähnliche Entwicklung wie bei den Anglikanern an. Dort hat sich in den USA der konservative Flügel mit Unterstützung homohassender Bischöfe, vor allem aus Afrika und Asien, von den Liberalen abgespalten.

Dabei soll die Entscheidung vor allem den Spielraum liberaler Gemeinden ermöglichen. Diese bewegen sich nun auf dem Boden des Kirchenrechts, wenn sie einen homosexuellen Geistlichen gemeinsam mit ihrem Partner akzeptieren. Konservative Gemeinden können einen schwulen Pfarrer oder eine lesbische Pastorin nach wie vor ablehnen.

Mit rund fünf Millionen Mitgliedern ist die Lutherische Kirche in den USA die viertgrößte protestantische Glaubensgemeinschaft.