Tausende bei Parade in Tel Aviv

Mit einer Schweigeminute begann heute die Lesben- und Schwulenparade von Tel Aviv. Damit gedachten die tausenden Teilnehmer der beiden Jugendlichen, die letzten August bei einem Anschlag auf ein lesbischwules Jugendzentrum getötet wurden.

“In diesem Jahr ist die Herausforderung für uns gewaltig. Einerseits müssen wir eine klare Botschaft an den Mörder senden, dass wir uns nicht verstecken und erhobenen Hauptes durch die Stadt marschieren, andererseits müssen wir dieser Hass-Tat gedenken, die uns am 1. August 2009 traf“, sagte Janiv Weizman, der für die Schwulen-Szene zuständige Berater von Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai, bei der Parade.

Tel Aviv gilt als Schwulenhauptstadt des östlichen Mittelmeers: Nach Schätzungen des israelischen Lesben- und Schwulenverbandes sind rund ein Viertel der 400.000 Einwohner Mitglied der lesbischwulen und Transgender-Community. In Israel selbst gilt seit 2001 ein Anti-Diskriminierungsgesetz, im Ausland geschlossene Ehen werden anerkannt.

Als schwules oder lesbisches Paar selbst in Israel heiraten zu können, ist eine der politischen Forderungen der Paradenteilnehmer. “Ich träume davon, dass ich auch in Israel heiraten kann und dass wir von der Gesellschaft anerkannt werden“, sagte die 34 Jahre alte Zehorit Sorek. “Wir haben ein Problem, weil wir eine lesbische und eine religiöse Identität haben. Wir möchten Teil beider Gruppen sein. Wir sind stolz, lesbisch und religiös zu sein.“

Gesichert wurde die sonst farbenfrohe und sorgenfreie Parade von hunderten Polizisten und Sicherheitskräften. Allerdings gab es keine Warnungen religiöser Gruppen, die Parade stören zu wollen, betont Polizeisprecher Mickey Rosenfeld.