Mord nach Annäherungsversuch? Prozess vertagt

Vertagt wurde gestern ein Prozess gegen zwei junge Slowaken, 22 und 31 Jahre alt. Sie werden beschuldigt, am 28. Juni den 33-jährigen Roland A. erstochen zu haben. Einer der mutmaßlichen Täter sagte aus, der Mann hatte Sex mit dem anderen Angeklagten gehabt.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Raubmord aus. Die beiden Männer hätten ihr Opfer in „bewusstem und gewolltem Zusammenwirken“ getötet, um den 33- Jährigen zu berauben.

Kennengelernt haben sich die drei Männer auf dem Karlsplatz. Von dort ging es zur Schlafstelle des Wieners am Liesingbach. Bereits in der U-Bahn soll der 33-Jährige, der als gutmütig bekannt war und durch seine wallenden Gewänder aufgefallen ist, den jüngeren der beiden Slowaken am Oberschenkel gestreichelt haben. Vor Gericht sagte der andere Angeklagte aus, dass er später beim Schlafplatz „sexuelle Aktivitäten“ zwischen seinem Freund und dem späteren Opfer beobachtet hat. Daraufhin habe er das Lager verlassen.

Plötzlich kam der 22-Jährige, der vor Gericht nachdrücklich bestritt, homo- oder bisexuell zu sein, aufgeregt zu ihm und erklärte ihm, er habe den Wiener „schlafend gestellt“, weil dieser noch „weitergehende Wünsche“ hatte.

Der Mann gibt zu, dass er seinem Freund beim Wegtragen des Opfers an den späteren Fundort geholfen hat. Blut habe der 31-Jährige zwar gesehen, dass Roland A. im Sterben lag, will er aber nicht bemerkt haben.

Anders die Aussage des Jüngeren: Als er sich am Schlafplatz einen Pullover anziehen wollte, stach sein 31-jähriger Freund plötzlich grundlos auf den Wiener ein, so seine Aussage.

Die Gerichtsmediziner zählten zwölf Stiche im Oberkörper, drei davon im Rücken. Einer davon war so heftig, dass er eine Rippe durchtrennt hat. Zwei Stiche des 16 bis 18 Zentimeter langen Messers trafen das Herz. Das Opfer zeigte keine Abwehrspuren und ist verblutet.

Unterdessen waren die Männer wieder zurück in die Slowakei geflüchtet. In Bratislava versetzten sie zwei Ringe des Opfers in einer Pfandleihe. Weil sie mit dem Handy des Opfers in ihrem Heimatdorf telefoniert haben, kamen die Behörden schnell auf ihre Spur. DNA-Spuren der beiden Angeklagten auf der Leiche bestätigten den Verdacht der Beamten.

Die Verhandlung wird am 24. April mit den Aussagen von zwei weiteren Zeugen und einem DNA-Sachverständigen fortgesetzt.