Katholiken mobben designierten Schuldirektor, weil er schwul ist

In Niedersachsen hat ein Bremer Lehrer seine Bewerbung als Direktor einer Grundschule zurückgezogen, weil er von konservativen Katholiken im Ort gemobbt wurde.

Ort der Handlung ist Rechterfeld, Teil der Gemeinde Visbek im Oldenburger Münsterland. Und es hätte so einfach sein können. Denn für alle Beteiligten war der Mann der ideale Kandidat: Für den Bürgermeister, die Lehrerkollegen und die Eltern war klar, dass der Lehrer aus Bremen der neue Direktor der Grundschule sein sollte.

Die Gesamtkonferenz der Schule hatte sich bereits für ihn ausgesprochen, die Eltern waren einverstanden, er war der einzige Bewerber für den Posten – eigentlich eine klare Sache. Bis der katholische Gemeindepfarrer Herrmann Josef Lücker eigenen Angaben zufolge „mehrere Anrufe von Bürgern“ bekam. Denn der Kandidat für den Posten des Schulleiters ist schwul – und im Gegensatz zu drei Viertel der Bevölkerung des Ortes evangelisch.

Die Grundschule ist eine katholische Schule in Trägerschaft der Gemeinde, offen für alle Kinder. „Die Anrufer haben Bedenken geäußert, die man respektieren muss“, erklärte der Priester der „Nordwest-Zeitung“ – um gleich zu betonen, er selbst habe „keine Probleme mit einem schwulen Evangelen“. Dass die Anrufe anonym gewesen sein sollen, irritierte den Geistlichen auch nicht. Er informierte den Lehrer über diese Anrufe, worauf dieser seine Bewerbung zurückzog.

Das sorgt im Ort für Kopfschütteln – sogar der der katholischen Schützenbrüderschaft St. Antonius bekundete seine Solidarität: „Nur, weil ein paar Leute ein Problem damit haben, dass der Bewerber schwul und evangelisch ist, müssen wir nicht auf einen fähigen Schulleiter verzichten“, ärgert sich Markus Dorissen-Wesjohann in der „Nordwest-Zeitung“.

Elke Meyer-Pundsack, die Sprecherin des Elternvereins, nannte die Kampagne gegen den Lehrer „eine Riesenschweinerei gegen einen sehr sympathischen Menschen“. 99 Prozent aller Eltern wollten den Bremer, dessen Lebensgefährte in dem kleinen Ort wohnt, als Schulleiter.

Letzte Woche gab es noch ein letztes gemeinsames Gespräch im Rathaus, das den Lehrer noch überzeugen sollte – ohne Erfolg. Für eine positive Entscheidung sei mittlerweile zu viel kaputt gegangen, so der Lebensgefährte des Lehrers – die Affäre schlucke einfach zu viel Energie.

„Wir bedauern diesen Schritt sehr“, so Susanne Strätz von der niedersächsischen Landesschulbehörde. Bei der Auswahl der Bewerber spiele die sexuelle Orientierung keine Rolle, „wir sind froh über jeden geeigneten Bewerber“. Die Stelle soll nun im Juni neu ausgeschrieben werden, einen Ersatz werde man aber wohl erst im Laufe des neuen Schuljahres finden, so Strätz.