Lesbisches Paar mit Kindern in Kärnten keine Familie?

Kärnten ist anders – auch beim Familienbegriff: So wurde beim Minimundus in Klagenfurt einem lesbischen Paar mit zwei Kindern der Kauf eines Familientickets verwehrt. Der Geschäftsführer verteidigt diese Politik.

Das Minimundus ist „die kleine Welt am Wörther See“: Bauwerke aus aller Welt, originalgetreu nachgebaut, bringen Kinder seit Jahrzehnten zum Staunen. Gestaunt hat auch ein lesbisches Paar, das mit seinen beiden Kindern das Minimundus besuchen wollte: Obwohl sie eine Eingetragene Partnerschaft eingegangen sind, wurde ihnen der Kauf eines Familientickets verwehrt. Stattdessen mussten sie zwei „Singletickets+Kind“ kaufen.

„Was diesen Vorfall so schlimm macht, ist nicht der finanzielle Aspekt, sondern die menschliche Verletzung der beiden Frauen und ihrer Kinder. Den Frauen wurde in aller Öffentlichkeit die Geltung ihrer eingetragenen Partnerschaft aberkannt und sie mussten ihren Kindern erklären, warum sie keine Familie sind.“, ärgert sich Markus Einicher, Sprecher der Grünen Andersrum in Kärnten.

Doch bei der Attraktion gibt man sich uneinsichtig und verweist auf die Gesetzeslage: „Auch eingetragenen Partnern ist es in Österreich nicht erlaubt, Kinder zu adoptieren. Deshalb kann ich Familien wie diese nicht als solche akzeptieren.“, so Minimundus-Geschäftsführer Hannes Guggenberger in der „Kleinen Zeitung“.

Er würde außerdem Probleme mit dem Finanzamt bekommen, wenn er gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern Familienrabatt gewähre, so Guggenberger. Gegen welche Richtlinien er dabei verstoßen würde, verriet er der „Kleinen Zeitung“ übrigens nicht.

Dafür verspricht Guggenberger: „Wir wären die Ersten, die auch gleichgeschlechtlichen Paaren Familienermäßigung gewährten, wenn sich das Gesetz ändert.“ Dass es für die Gewährung eines Familienrabattes keiner Gesetzesänderung bedarf, beweisen aber bereits andere Attraktionen, zum Beispiel das „Haus der Natur“ in Salzburg.

Auch Frank Frey, Landessprecher der Kärntner Grünen, ärgert sich: „Ich sehe hier den zuständigen Tourismus-Landesrat Rumpold massiv gefordert. Es liegt an ihm, auch in solchen Themen die notwendige Aufklärungsarbeit bei den Tourismusbetrieben zu leisten. Wir kennen zwar das verklemmt-konservative Weltbild der ÖVP, wenn es um gleichgeschlechtliche Partnerschaften geht, aber das kann nicht zu einer Diskriminierung von Gästen im Tourismus führen. Einerseits bemüht man sich mit Events wie dem Pink-Lake-Festival um diese Zielgruppe und dann steht man gleichgeschlechtlichen Paaren mit so einer peinlichen und unwürdigen Einstellung gegenüber. Das ist nicht tragbar.“