AK-Jugendstudie fragt Homosexualität als ‚moralische Einstellung‘ ab

Homosexualität ist eine moralische Entscheidung – das behaupten nicht nur religiöse Fundamentalisten, sondern ist auch eine Fragestellung in einer Studie der Arbeiterkammer.

Die Arbeiterkammer (AK) Wien hat beim Institut für Jugendkulturforschung eine Studie über Jugendwerte in Auftrag gegeben. Eine Frage beschäftigt sich damit, welche willentlichen Entscheidungen für Jugendliche in Ordnung wären oder nicht. Als Antwortmöglichkeiten dafür werden „Steuern hinterziehen, wenn man die Möglichkeit dafür hat“, „Abtreibung“ oder „wenn man Gewalt anwendet, um einen Konflikt zu lösen“ genannt – und „Homosexualität“. Die entsprechenden Möglichkeiten konnten mit 1-10 Punkten bewertet werden, wobei 10 Punkte die positivste Bewertung waren.

HOSI Wien: ‚Willkürliche Entscheidung ohne Hintergrundwissen‘

Innerhalb der Community sorgt die Fragestellung für Empörung: „Wer bitte hat entschieden, diese Antwortmöglichkeiten zusammen in eine Frage zu verpacken – was hat sie/er sich dabei gedacht?!“, wollen beispielsweise die Grünen Andersrum Tirol wissen. Und auch die HOSI Wien übt „Kritik an dieser willkürlichen Entscheidung ohne Hintergrundwissen“.

Heißt diese Aufzählung aber wirklich, dass Homosexualität für die Macher der Studie eine willentliche Entscheidung ist? Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung erklärt, man wollte wissen, „ob es Menschen in Österreich gibt, und wieviele es sind, die Homosexualität für moralisch nicht gerechtfertigt halten“. Immerhin wäre das ja beispielsweise auch offizielle die Position der römisch-katholischen Kirche.

‚Irrationale‘ Fragen für ‚irrationale‘ Überzeugungen

„Darüber hinaus erfassen wir aber so auch jene, die trotz wissenschaftlicher Objektivierung weiter am Glauben festhalten, dass Homosexualität der freien Wahl des Menschen unterliegt und die damit Homosexualität zu einer moralischen Angelegenheit machen. Wir dürfen nicht vergessen, dass, auch wenn etwas wissenschaftlich unstrittig ist, sich viele Menschen immer wieder die Freiheit nehmen, entgegen der wissenschaftlich korrekten Auffassung zu denken und zu handeln. Aus diesem Grund nehmen wir auch immer wieder ‚irrationale‘ Items in Fragebögen auf, um die Verbreitung von ‚irrationalen‘ Überzeugungen zu messen“, erklärt Heinzlmaier gegenüber GGG.at – und richtet auch ein Wort an die Kritiker: „Ich denke, dass eine solche Methode nicht ‚moralisch‘ unter Druck gesetzt werden sollte, weil sie dazu verhilft, verbreitete Formen falschen Bewusstseins zu quantifizieren.“

Österreichs Jugendliche akzeptieren Homosexualität

Unter den befragten Jugendlichen ist Homosexualität übrigens moralisch größtenteils akzeptiert – von allen abgefragten Punkten wurde Homosexualität am Besten bewertet: „Eine massive Erhöhung der Akzeptanz zeigt sich im Fall der Homosexualität“, so die Studie: „Galt diese im Jahr 1990 mit einem Mittelwert von 4,4 noch als etwas tendenziell Inakzeptables, hat die Jugend des Jahres 2011 diesbezüglich kaum mehr Vorbehalte.“ So ist der Wert bei der aktuellen Studie auf 7,8 angestiegen. Im direkten Vergleich sind übrigens Frauen und gebildete Jugendliche toleranter als Männer und Jugendliche ohne Matura.

„Inwieweit die hohe Zustimmung auf sozial erwünschtes Antwortverhalten zurückzuführen ist, kann auf Basis der Daten nicht letztgültig geklärt werden, sie zeigen aber klar auf, dass offene Homophobie heute, anders als 1990, nicht mehr so einfach hingenommen oder gar unterstützt wird“, gibt die Studie zu bedenken.

Die Jugend-Wertestudie 2011 wurde von der AK Wien in Auftrag gegeben. Weitere Fördermittel wurden von der AK Niederösterreich, dem Bundeskanzleramt, dem Sozial- und dem Unterrichtsministerium sowie der OMV zur Verfügung gestellt.

Links zum Thema