Schwule Paare im Pfarrhaus spalten sächsische Protestanten

Der Streit zwischen Reformern und konservativen Kräften bei den sächsischen Protestanten eskaliert: Der fortschrittlichere Landesbischof Jochen Bohl hat seinen Chef-Evangelisten, den Religionspädagogen Lutz Scheufler gefeuert. Dieser hatte zuvor dem Bischof und der Landessynode die geilstliche Autorität abgesprochen, weil sie die Pfarrhäuser auch für die Partner von schwulen und lesbischen Pfarrern geöffnet haben.

Liberaler Norden, konservativer Süden

Die evangelische Landeskirche in Sachsen ist gespalten, wenn es darum geht, ob gleichgeschlechtliche Partner mit dem Pastor im Pfarrhaus leben dürfen. Liberale Gemeinden im Norden sind dafür, konservative Gemeinden im Süden dagegen. Im Jänner hat sich die Kirchenführung dann offiziell auf die Seite der liberalen Kräfte gestellt und homosexuellen Paaren „in seelsorgerisch begründeten Einzelfällen“ das gemeinsame Wohnen im Pfarrhaus gestattet.

Dagegen ging das Evangelisationsteam der Landeskirche auf die Barrikaden. Ihm steht der Religionspädagoge Lutz Scheufler aus dem Erzgebirge im Süden des Freistaates vor. Im Juni probten sie den Aufstand. „Den Landesbischof, die Kirchenleitung und die Landessynode erkennen wir nicht mehr als geistliche Leitung unserer Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens an“, verkündeten sie öffentlich und riefen zur Spaltung der Landeskirche auf.

Konservative Protestwelle ebbte rasch ab

Doch während die sächsische Kirche die meisten Abtrünnigen wieder in ihren Schoß zurückholen konnte, weigert sich Scheufler bis heute, die geistliche Autorität der Kirchenleitung anzuerkennen. Diese reagierte nun und entließ den bereits suspendierten Chef-Evangelisten. Nun hat er Predigtverbot – an das er sich nicht halten will. Er sieht sich als Märtyrer der Konservativen und möchte weiter in Sachsen predigen, unterstützt von „zahlreichen Spendern“, die dieses Vorhaben angeblich finanzieren wollen.