Tschechischer Präsident gegen Ernennung von schwulem Professor

Die Ernennung eines offen schwulen Literaturdozenten zum Professor der angesehenen Karls-Universität in Prag wurde in Tschechien zum Politikum. Zunächst wollte im Präsident Miloš Zeman die Ernennung verweigern, jetzt lenkt er ein. Persönlich überreichen will er ihm das Dekret aber trotzdem nicht.

Martin C. Putna ist einer der bekanntesten katholischen Intellektuellen Tschechiens. In seinen Arbeiten setzt sich 44-jährige besonders mit dem Verhältnis zwischen Homosexualität und Christentum auseinander. Bereits seit 1998 ist Putna an der anerkannten Karls-Universität habilitiert.

„Obzönes Plakat“ für Professor unschicklich

Stein des Anstoßes war die Teilnahme des Literaturwissenschaftlers am Prague Pride vor zwei Jahren. Als Protest gegen den rechtskonservativen Aktivisten Ladislav Bátora trug Putna bei der Parade ein Schild mit der Aufschrift „Katholische Tunten grüßen Bátora“. Dieser hatte eine Gegendemonstration zur Lesben- und Schwulenparade organisiert.

Das fand der Präsident offenbar für einen Professor unschicklich: Der Zeitung „Lidové noviny“ sagte Zeman, dass die sexuelle Orientierung von Putna für ihn kein Problem sei. Etwas anderes sei es aber, mit einem vulgären Protestschild an einem Homosexuellenmarsch teilzunehmen.

Protest gegen Eingriff in Autonomie der Hochschulen

Deshalb habe sich Zeman zunächst geweigert Putna zum Professor zu ernennen. In Tschechien ernennt der Präsident traditionell bei einem jährlichen Festakt die neuen Professoren – eigentlich ein reiner Formalakt. Kritiker werfen Zeman deshalb politische Einflussnahme und Störung der akademischen Freiheiten vor. Der Vorstand des tschechischen Hochschulrats bezeichnete das Verhalten des Präsidenten als „präzedenzlosen Eingriff in die Autonomie der Hochschulen“.

Nach einer Krisensitzung mit Wissenschaftsminister Petr Fiala hat der tschechische Präsident schließlich eingelenkt. Man werde Martin C. Putna zum Professor ernennen, heißt es aus der Prager Burg. Zeman werde die Berufungsurkunde aber nicht persönlich übergeben.