‚Wer bin ich, um Schwule zu verurteilen?‘: Das bedeutet die Aussage des Papst

In den Schlagzeilen ist derzeit Papst Franziskus: Auf dem Flug vom Weltjugendtag in Rio zurück nach Rom hat er vor Journalisten das Thema „Schwulen-Lobbys“ angesprochen. Nicht schwule Priester seien das Problem, sondern ihre Seilschaften, betont er. Eine Kursänderung gegenüber Lesben und Schwulen ist das aber nicht.

„Man darf diese Personen nicht ausgrenzen“

„Man schreibt viel über eine Schwulenlobby im Vatikan, doch ich habe keine Liste mit den Namen derjenigen, die daran beteiligt wären. Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht, wer bin ich, um ihn zu verurteilen? Man darf diese Personen nicht diskriminieren oder ausgrenzen. Die Kirche schaut nicht auf die Tendenz einer Person. Alle sind Brüder. Wenn sich jemand verliert, muss ihm geholfen werden. Man muss unterscheiden, ob er eine anständige Person ist“, wird der Papst zitiert.

Offenbar nicht anständig sind für den Papst jene Personen, die im Kirchenstaat eine „Schwulen-Lobby“ gebildet haben sollen. Dass es zwar schwule Seilschaften hinter den Mauern des Vatikans gebe, bestätigte zwar ein Geistlicher gegenüber dem österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“. Ein gemeinsames politisches Ziel gebe es aber nicht.

Kein Kurswechsel: Liebe den Sünder, verdamme die Sünde

Doch was nun als Kurswechsel interpretiert wird, entspricht genau der bisherigen römisch-katholischen Lehre: Dort ist Homosexualität an sich kein Problem – nur ausgelebt darf sie nicht werden. Und nachdem Priester überhaupt keinen Sex haben dürfen, sind auch schwule Geistliche auf dem Pfad der Kirche – wenn sie enthaltsam leben.

Zu strittigen Themen wie der Öffnung der Zivilehe äußerte sich Papst Franziskus nicht. Hier dürfte er aber seiner bisherigen Linie treu bleiben. Als Erzbischof von Buenos Aires geißelte er diese noch als „Schachzug des Teufels“.