Gerald Grosz erster offen schwuler Parteichef Österreichs

Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs hat eine Partei, die Regierungsverantwortung hatte, einen offen schwulen Parteichef: Gesten Abend hat das rechtsliberale BZÖ seinen steirischen Landesobmann Gerald Grosz zum designierten Bundesobmann gekürt. Erste Amtshandlung: Der Rauswurf von Haider-Begleiter Stefan Petzner und dem klerikalkonservativen Europaabgeordneten Ewald Stadler.

Möchte BZÖ zurück ins Parlament bringen

In den nächsten Wochen soll Grosz dann von einem Parteikonvent im Amt bestätigt werden. „Wir beginnen bei der Stunde null“, erklärte Grosz in einer ersten Stellungnahme nach der Bestellung. Für die rund 170.000 Wählern, die der Partei das Vertrauen geschenkt haben, müsse man weiterhin Politik auf Basis des einstimmig beschlossenen Parteiprogrammes machen. Auch, wenn die Ausgangslage „suboptimal“ sei, habe das BZÖ „die nächsten Monate und Jahre die große Chance, wieder in den Nationalrat zurückzukehren und Politik in den gesetzgebenden Körperschaften zu machen“, so Grosz.

Die öffentliche Berichterstattung über die Bestellung von Grosz wurde aber von einem anderen Punkt der Tagesordnung bestimmt: Dem Rauswurf der BZÖ-Granden Stefan Petzner und Ewald Stadler. Stadler, derzeit EU-Abgeordneter für das BZÖ, hat angekündigt, unter Grosz „sicher nicht“ bei der kommenden Europawahl für das BZÖ anzutreten. Was nach dem Rauswurf allerdings sowieso nicht im Raum stehen dürfte.

„Operettendiva“ Petzner kämpft nun gegen Ex-Partei

Petzner sagte, er werde seinen Rauswurf aus der Partei, die er zusammen mit seinem Mentor Jörg Haider gegründet hatte, „wie einen Orden am Revers tragen“. Den Kärntner BZÖ-Landtagsabgeordneten empfehle er, wieder zur Kärntner FPÖ zurückzukehren.

Grosz meinte zu den Rausschmissen, für einen Neubeginn müsse man sich von jenen Personen trennen, die „Politik für die Befriedigung ihrer manischen Eitelkeit“ betreiben. Er wolle sich nicht wie die ehemalige FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess „von Berufsquerulanten“ aus der Politik „auf den Kopf scheißen lassen“.

Zur Aufforderung Petzners an die Mandatare, sie mögen zur FPÖ gehen, sagte der designierte BZÖ-Chef: „Er soll die Flügelschuhe nehmen und dem Heinz-Christian Strache auf den Schoß fliegen, er wird sicher viel Freude mit der Operettendiva haben.“

Gerald Grosz hat sich im Mai dieses Jahres offiziell geoutet, nachdem er sich verpartnert hat. Bereits zuvor hat er – anders als Parteikollegen wie Stefan Petzner – im Parlament für die Eingetragene Partnerschaft gestimmt und auch die Öffnung der Standesämter gefordert. „Ich stehe zu meinem Freund und zu meinem Lebensgefährten. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, mache aber auch keine Politik damit“, so Grosz damals.

Grosz ist damit der erste offen schwule Parteichef einer etablierten Partei, die in Österreich bereits in Parlamenten und Regierungen gesessen ist. Vor ihm hat er der offen schwule Pirat Christopher Clay auf den Chefsessel seiner Partei geschafft – als Teil der fünfköpfigen Bundesversammlung. Diese entspricht dem Obmannposten bei etablierten Parteien.