Montag, 15. April 2024
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Streit um St. Patrick’s Day in den USA

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Heute ist St. Patrick’s Day – und während in Irland, wo der katholische Heilige gewirkt hat, auch schwule und lesbische Gruppen selbstverständlich bei den zahlreichen Paraden mitmarschieren, wird diese Frage in den USA zum Politikum.

Etwa zwölf Prozent der US-Amerikaner haben irische Wurzeln. Deshalb ist das Land rund um den 17. März grün gefärbt. Besonders ausgelassen wird in Boston und New York gefeiert, dem Zentrum der US-Iren.

Doch dieses Jahr müssen die großen Paraden ohne die Bürgermeister der Städte auskommen. Martin Walsh, der Bürgermeister von Boston, erklärte, er wolle nur teilnehmen, wenn auch eine Gruppe homosexueller Kriegsveteranen mitmarschieren dürfe. „Ich bin genauso irisch wie alle anderen. Es gibt keinen Grund dafür, vor allem nicht im Jahr 2014“, so Walsh zum „Time“-Magazin. Für die meist streng katholischen Veranstalter ein Affront: „Sie wollen nicht St. Patrick ehren, sondern nur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, ärgert sich Bill Donohue, der Präsident der Katholischen Liga. Dementsprechend aussichtslos sind auch die Verhandlungen zwischen Veranstaltern und LGBT-Iren – was durch sprichwörtlichen Starrkopf der Iren nicht unbedingt leichter gemacht wird.

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Zu Kämpfern wurden Iren in den USA auch, weil sie früher diskriminiert wurden, so die Bostoner Lesben- und Schwulenaktivistin Susan Ulrich: „Wenn man sich ansieht wie die Iren behandelt wurden und wie die LGBT-Gemeinschaft behandelt wird, dann ist das sehr ähnlich“. Beide Gruppen – die Aktivisten und die konservativen Organisatoren – würden nun hart für das kämpfen, woran sie glauben.

Rechtlich gibt es keine Handhabe für die schwul-lesbischen Gruppen, eine Teilnahme am St.-Patricks-Umzug zu erzwingen. Ein Bezirksgericht hatte den New Yorker Organisatoren in den 1990er Jahren erlaubt, offen schwule Gruppen auszuschließen. Ein vergleichbares Urteil gab es für Boston.

Deshalb versucht auch in New York, Bürgermeister Bill de Blasio politischen Druck aufzubauen. „Ich lehne die Position der Organisatoren dieser Parade, bestimmte Menschen in dieser Stadt auszuschließen, einfach ab“, sagte er und verweigerte auch die Teilnahme an der größten St.-Patricks-Parade der Stadt. Dafür marschierte er letzte Woche bei „St Pat’s for all“ mit, einer Parade, deren Veranstalter die Diversität aller Teilnehmer feierten. „Ob man nun Feuerwehrmann ist oder Dudelsackspieler oder eine gleichgeschlechtliche Familie mit Kindern ist, das irische Erbe und die irische Kultur gehört uns allen“, so der Organisator Brandon Fay zum „Time“-Magazin.

Und der Druck zeigt schon Wirkung: Am Freitag wurde bekannt, dass sich in Boston einer der Hauptsponsoren des St.-Patricks-Umzugs, die „Boston Beer“-Brauerei, zurückgezogen hat.

Andere Städte in den USA zeigen, wie eine Änderung funktionieren kann: In Chicago und Kansas City wird heute die Regenbogenfahne gehisst. Chicago habe verstanden, dass es mehr Gemeinsames als Trennendes gebe, sagte Chicagos erster offen schwuler Stadtrat Tom Tunney.

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