Delegierte der Welt-Aids-Konferenz suchen um Asyl an

Nach dem Ende der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne haben rund 25 Delegierte in Australien um Asyl angesucht. Dabei handelt es sich vor allem um Männer und Frauen aus afrikanischen Staaten wie Tansania, Uganda und Äthiopien.

„Sie fürchten eine Rückkehr in Länder, in denen es lebensbedrohlich ist, sich mit dem Thema Aids zu befassen“, erklärt Pamela Curr von der Asylberatung Melbourne dem australischen Rundfunksender ABC. Einer der Asylsuchenden berichtet, dass er in seiner Heimat mehrmals im Gefängnis war, weil er Mitglied einer Oppositionspartei sei. Ein anderer erzählte, er werde zu Hause verfolgt, weil er einer ethnischen Minderheit angehöre.

Und auch die Arbeit mit HIV und Aids kann in Afrika lebensgefährlich sein. Ein Teilnehmer an der Welt-Aids-Konferenz aus Tansania berichtete, er sei im März nach einem Fußballspiel wegen seiner Arbeit fast getötet worden. Eine Meute habe ihm aufgelauert, erinnert er sich: „Diese Leute haben mich verfolgt, sie wollten mich töten.“ Er hat überlebt, weil der Mob geflüchtet ist, nachdem ihm andere Leute zu Hilfe gekommen sind.

Das weitere Schicksal der Delegierten, die in Australien um Asyl angesucht haben, ist unklar. Einige von ihnen wurden in Jugendherbergen oder Sammelstellen untergebracht, andere sind obdachlos.

Heather Holst von der Obdachlosenhilfe „Homeground“ bestätigte, dass ihre Organisation 14 Delegierten der Aids-Konferenz bei der Suche nach einer Unterkunft helfe. Die finanziellen Mittel der Organisation würden noch ausreichen, um die Asylwerber drei weitere Wochen zu versorgen. „Es ist eine schwierige Lage, wenn Menschen über keinerlei Geld verfügen, um sich selbst zu versorgen“, so Holst.

Welche Erfolgsaussichten die Asylanträge haben, ist unklar. Jeder Fall werde „individuell geprüft“, so Scott Morrison, der Sprecher des australischen Einwanderungsministers. Einige Aufenthaltsgenehmigungen der Asylwerber laufen bereits im August ab, andere dürfen noch bis Oktober offiziell in Australien bleiben.

Leicht gefallen ist den betroffenen Delegierten dieser Schritt nicht. „Ich fühle mich hier zwar sicher“, so einer der Männer, „aber ich mache mir natürlich Sorgen um meine Familie, die ich zurückgelassen habe“.