Hintergrund: Wer steckt hinter dem ‚Homo-Hasser‘-Kongress in Moskau?

Für Aufregung sorgte die Rede des stellvertretenden FPÖ-Vorsitzenden und Wiener Klubchefs Johann Gudenus bei einer Konferenz des „Forum Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit“ in der Moskauer Erlöserkirche. Er sprach von einer „Homo-Lobby“, die Europa bedrohe und ihre Botschaften über eigene Zeitungen und Fernsehsender verbreite. Aber wer steckt hinter dieser ominösen Veranstaltung? Ein Blick auf die Veranstalter, die Gäste und die Abschlussresolution macht klar: Auch die bereits erstrittenen Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgendern sind weltweit in Gefahr.

US-Konservative wollten Tagung ursprünglich veranstalten

Die Spurensuche beginnt im Nebel. Denn bis jetzt ist das „Forum Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit“, Veranstalter des Kongresses, noch nicht besonders aufgefallen. Denn eigentlich hätte im September in Moskau der „World Congress of Families“ eine Veranstaltung organisieren sollen. Diese konservative US-Organisation hatte Russland in der Vergangenheit schon öfter gelobt, zum Beispiel wegen des Gesetzes gegen „Homo-Propaganda“, das eine positive Darstellung von Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen verbietet.

Doch die Ukraine-Krise machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Der „World Congress of Families“ musste sich offiziell von der letztwöchigen Veranstaltung distanzieren und betont, dass er diese finanziell nicht unterstützt habe. Ganz abgebrochen ist die Verbindung aber nicht: Mitglieder der Organisation nahmen trotzdem an dem Kongress in der Moskauer Erlöserkirche teil – und deren Vorstände Larry Jacobs und Don Feder werden sogar als Teil des siebenköpfigen Organisationskomitees der Veranstaltung genannt.

Oligarchen und Kirche versammeln internationale Homo-Hasser

Offiziell wurde die Veranstaltung des „Forum Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit“ vom russischen „Zentrum für Nationalen Ruhm“ und der Stiftung des Orden des Heiligen Andreas des Erstberufenen organisiert, die Teil eines Programms ist, das „Heiligkeit der Mutterschaft“ heißt.

Außerdem waren unter den offiziellen Veranstaltern eine nach dem Heiligen Basil dem Großen benannte wohltätige Stiftung. Diese ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen, und wurde 2007 vom Oligarchen Konstantin Malofeew gegründet. Unterstützt werden die Programme der Stiftung unter anderem auch vom Marshall-Fonds der USA. Auch die „Kommission des russisch-orthodoxen Patriarchen für den Schutz von Familie, Mutterschaft und Kindheit“ war auf der Liste der Organisatoren.

Die Teilnehmer kamen aus der ganzen Welt – nicht nur aus Russland, den USA oder Österreich. Insgesamt kamen die 1000 Teilnehmer aus 45 Staaten. Zu den bei uns bekannteren Teilnehmern gehörten der Wiener FPÖ-Klubchef Johann Gudenus, „Front National“-Europaabgeordneter Aymeric Chauprade und der stellvertretende ungarische Staatssekretär für bilaterale EU-Beziehungen, Gergely Pröhle. Doch auch aus Kanada, Italien, Großbritannien, Polen, Mexiko, Venezuela, Australien, der Ukraine, Georgien, Kasachstan, Serbien, Lettland oder den Philippinen waren Teilnehmer zu der Konferenz gekommen, genauso wie aus allen russischen Provinzen.

Resolution will Schwulen und Lesben Menschenrechte aberkennen

In der gemeinsamen Abschlusserklärung betonten die Teilnehmer, dass eine Stärkung der Rechte von Lesben und Schwulen ein Ende der menschlichen Zivilisation bedeuten würde. Wörtlich heißt es: „Wir, die Teilnehmer des Moskauer Internationalen Forums, drücken unsere ernsthaften Sorgen aus, weil gewisse Staaten hartnäckig eine noch nie dagewesene Propaganda-Kampagne forcieren, die zur ultimativen Zerstörung der natürlichen Familie führt – eine Institution, die in einer zivilisierten Gesellschaft die Basis von Ordnung, staatlichem Wohlergehen und sozialem Frieden ist.“

Nur die Ehe zwischen Mann und Frau könne das Fortbestehen der menschlichen Zivilisation garantieren, heißt es in der Resolution weiter. „Alle anderen sexuellen Beziehungen oder absichtlichen Verbindungen, die die Geburt von Kindern ausschließen, sind nutzlos, weil sie der Definition des Wortes ‚Familie‘ in keiner Weise entsprechen“.

„Homosexuelle Beziehungen sind nutzlos“

Internationale Regierungen werden in der Resolution aufgefordert, die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgendern zu beschneiden, um eine „Entmenschlichung der Gesellschaft“ zu verhindern. Dazu müsse „eine Grenze eingezogen werden, auf dem Weg der ideologiegeführten und staatlich unterstützten Einmischung in das Privatleben der Bürger, in einem Versuch, der Mehrheit den speziellen sexuellen Lebensstil und die Vorlieben einer Minderheit aufzuzwingen“.

Weiters sollen die Regierungen nach den Wünschen des „Forum Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit“ sich „gegen den zynischen Gebrauch von Frauen als Leihmütter im Interesse von gleichgeschlechtlichen Verbindungen“ stellen. Fördern möchten die Teilnehmer allerdings die Rolle der Frau als Mutter möglichst vieler Kinder innerhalb der eigenen Familie.

Außerdem fordert der obskure Kongress in Moskau nach russischem Vorbild „gesetzliche Verbote aller Arten von Propaganda, die homosexuelle Beziehungen im Umfeld von Kindern und Minderjährigen fördern.“

Die Resolution des „Forum Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit“ erging an sämtliche Regierungen, die UNO-Generalversammlung, den UNO-Generalsekretär und zynischerweise auch an den UNO-Hochkommissar für Menschenrechte.