Katholische Kirche geht ein Stück auf Lesben und Schwule zu

Die römisch-katholische Kirche geht auf Lesben und Schwule zu. Doch auf den letzten Metern bleibt der Klerus dann doch wieder stehen: Zwar würden Homosexuelle die christliche Gemeinschaft bereichern, allerdings nur, wenn sie enthaltsam leben. Das geht aus einem Zwischenbericht das Vatikans zur Synode über Partnerschaft und Familie hervor.

Der Fortschritt: Die 200 Bischöfe, die an der Tagung teilnehmen, fragen sich erstmals, ob die Kirche Lesben und Schwule willkommen heißen könne und ihnen einen „brüderlichen Platz“ in den Gemeinden anbieten kann, ohne die katholischen Vorstellungen von Ehe und Familie zu verletzen.

So hätten gleichgeschlechtliche Beziehungen auch „positive Aspekte“, heißt es in dem Bericht. „Ohne die moralischen Probleme, die mit homosexuellen Partnerschaften verbunden sind, negieren zu wollen“ wird in dem Zwischenbericht festgestellt, dass der gegenseitige Beistand „wertvoll“ und positiv für das Leben der Partner sein könne.

Doch da endet der Wille, auf die schwul-lesbische Community zuzugehen, auch wieder: Homosexuelle Handlungen bleiben sündhaft – richtig geliebt werden Lesben und Schwule von der Kirche offenbar nur, wenn sie enthaltsam ist. Auch die Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare wird von den Bischöfen weiterhin abgelehnt. Eine Ehe sei nur zwischen Mann und Frau möglich. Deren „positive Werte“ und ihre Bedeutung sollten gestärkt werden, heißt es in dem Bericht. Und es gibt keine Hinweise, dass sich die Position Roms in diesem Punkt ändert.

Doch der Ton ist freundlicher geworden. Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. hatte in einer Erklärung Homosexualität noch als „Anomalie“ bezeichnet. Für den Vatikan-Experten John Thavis ist die Erklärung ein „Erdbeben“: Die Formulierungen in dem Zwischenbericht der Familien-Synode zeigen, dass Franziskus beim Thema Ehe und Familie die Barmherzigkeit in den Vordergrund rücke. Die Formulierungen lassen vermuten, dass sich unter den Bischöfen gemäßigtere Kräfte durchgesetzt haben.

In den nächsten Tagen sollen weitere Gespräche zwischen den Bischöfen folgen. Eine weitere Tagung dieser Art ist im nächsten Jahr geplant.