Uni Wuppertal: Eklat um Queer-Referat der Studenten

Was in Österreich die ÖH ist, ist in Deutschland der AStA – ein Studentenparlament mit Referaten, für deren Arbeit sich außerhalb der Universität selten jemand interessiert. Eine der wenigen Ausnahmen liefert nun der AStA der Uni Wuppertal: Bei der Wahl der Queer-Referenten kam es zu einem Eklat, der Vorsitzende outete unter anderem eine Kollegin als Lesbe. Das berichtet der „Spiegel“ in seiner Online-Ausgabe.

Seit letztem Jahr ist beim AStA der Uni Wuppertal die Spaßliste „Odeon/Campusbash“ an der Macht. Die Liste, die in erster Linie Uni-Parties organisiert, ist mandatsstärkste Fraktion und stellt auch einen der drei Vorsitzenden.

Und dieser erschien Ende August gemeinsam mit dem Marketing-Referenten und einer Gruppe Studenten, die der eigenen Fraktion nahestehen, bei der Wahl des Queer-Referates. Das Referat soll die Minderheiten aus Homosexuellen, Bisexuellen, Transsexuellen und Transgender repräsentieren. Abstimmungsberechtigt sind alle, die sich dieser Gruppe zugehörig fühlen.

Und das machte die „Odeon/Campusbash“-Fraktion sehr deutlich: Zeugen berichten, dass der Marketing-Referent seinem Vorsitzendem in den Schritt gegriffen hat, um ihre Homosexualität – und damit ihr aktives Wahlrecht – zu beweisen. Weiters soll der Vorsitzende bei der Verlesung der Namen jenen der Vorsitzenden der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) mit dem Zusatz „Lesbe“ versehen haben. Daraufhin löste die LHG ihre Koalition mit der Spaßtruppe augenblicklich auf.

Der Auftritt zeigte Wirkung: Gewählt wurden die Queer-Referenten per Handzeichen. Und auch der AStA-Vorsitzende persönlich – durch den beherzten Griff seines Referenten dadurch offenbar legitimiert – stimmte fleißig mit. Durch die Übermacht der „Odeon/Campusbash“-Anhänger wurde statt sieben möglicher Referenten nur einer gewählt. Andere Bewerber, unter anderem bisherige Referenten, waren chancenlos.

Gegenüber dem „Spiegel“ weist der AStA der Uni Wuppertal den Vorwurf der Wahlmanipulation zurück. In einer Erklärung heißt es, der Vorsitzende habe den Ablauf der Wahl „im Sinne der Amtsaufsicht zu begutachten“. Warum er dann auch selbst mitgestimmt habe? Darauf gebe es keine Antwort – die Frage, ob er mitgewählt habe, bewege sich „im Bereich des Wahlgeheimnisses“.

Und auch auf die Veröffentlichung der Vorfälle im Queer-Referat reagierte die Spaßliste nicht wirklich erfreut. Als die Vorwürfe zum ersten Mal öffentlich wurden, reagierten der AStA-Vorsitzende und der Marketing-Referenz mit Anzeigen wegen Verleumdung gegen Unbekannt – und meldeten die Vorsitzenden aller Oppositionsgruppen der Wuppertaler Polizei.

Die anderen Fraktionen wollen nun Neuwahlen im Studentenparlament der Uni Wuppertal erzwingen. Dazu haben sie ihre Mandate niedergelegt – doch diese Niederlegung erkennen die verbleibenden Mitglieder nicht an. Das Parlament bleibt beschlussfähig – und der Streit geht weiter.